In knapp zenh Tagen beginnt also die Fußball-Weltmeisterschaft. Die Weltmeisterschaft! Dieses globale Spektakel, das normalerweise zuverlässig genau das auslöst, was sich sonst kaum herbeibestellen lässt: kollektive Euphorie, flächendeckende Fachsimpelei und dieses diffuse Gefühl, dass selbst der Kühlschrank im Keller irgendwie mitfiebert. Und trotzdem: nichts. Keine Gänsehaut. Kein inneres Feuerwerk. Eher dieses matte „Ach ja, stimmt ja“, das man sonst nur kennt, wenn man montags die Waschmaschine öffnet und feststellt, dass man die Wäsche schon wieder vergessen hat. Als hätte jemand die große Fußball-Maschine gestartet, aber den Stecker nur halb in die emotionale Steckdose gesteckt. Vielleicht liegt es an der Kulisse. USA und Mexiko als Gastgeber – klingt auf dem Papier nach XXL-Event, nach Weltreise, nach „once in a lifetime“. In der Realität aber eher nach einem durchdesignten Hochglanzprodukt, bei dem alles perfekt beleuchtet ist, aber nichts mehr nach Gras, Schweiß und spontaner Ekstase riecht. Ein Turnier wie aus dem Showroom: beeindruckend, teuer, glatt – und trotzdem erstaunlich weit weg.
Und dann diese Vorrunde, die sich schon jetzt anfühlt wie ein Pflichttermin im Kalender, den man aus Höflichkeit stehen lässt, obwohl man innerlich längst weiß: man wird ihn ignorieren. Die deutsche Elf trifft zum Auftakt auf Curaçao. Curaçao! Das klingt nicht nach WM, das klingt nach Cocktailkarte, nach Kreuzfahrt-Stop, nach „wir legen kurz an und kaufen Magneten für den Kühlschrank“. Sportlich mag das alles seine Berechtigung haben, aber emotional ist das ungefähr so elektrisierend, als würden Joshua Kimmich und Co. gegen Helgoland antreten – inklusive Nordseewind als Taktikchef. Gähn. Und das ist vielleicht das eigentliche Problem: Die WM kommt, aber sie zündet nicht. Kein Sog, kein Ziehen, kein nächtliches „nur noch dieses eine Spiel“. Eher ein höfliches Abnicken aus der Distanz, wie ein Bekannter, der laut winkt, aber dessen Namen einem partout nicht mehr einfällt.
Seltsam eigentlich. Als Fußballfan müsste man längst innerlich im Trikot schlafen, den Spielplan auswendig können, Diskussionen führen über Formationen, die noch niemand gesehen hat, aber trotzdem schon alle kritisieren. Stattdessen: Gleichgültigkeit mit leichtem Schulterzucken. Und die irritierende Frage, ob das jetzt an einem selbst liegt oder am Turnier. Vielleicht kommt da noch was. Vielleicht zündet es in der ersten Nacht, wenn der Ball rollt und irgendein Underdog plötzlich wieder dafür sorgt, dass alles kurz Sinn ergibt. Aber im Moment wirkt diese WM wie ein großes Versprechen in Großbuchstaben – das sehr laut angekündigt wurde und dann irgendwo unterwegs vergessen hat, warum es eigentlich begeistern sollte.




