Hallo zusammen, ich bin der Neue bei der Freiwilligen Feuerwehr Hochstetten-Dhaun. Manche nennen mich Einsatzfahrzeug, andere schnöde Toyota. Seit meiner offiziellen Übergabe mit viel Prominenz bin ich jedenfalls das Gesprächsthema Nummer eins im Gerätehaus. Und das, obwohl ich noch nicht einmal einen einzigen Feuerwehrkaffee verschüttet habe. Meine Vorgänger haben mich bereits gewarnt: „Pass auf, hier gibt es Wege, die auf keiner Landkarte als Straße durchgehen würden.“ Doch genau deshalb wurde ich angeschafft. Während gewöhnliche Fahrzeuge bei den Wegen rund um das Schloss Dhaun nervös werden und nach dem nächsten Parkplatz suchen, denke ich mir nur: „Ist das alles?“ Ich kann klettern, durch Matsch fahren, enge Gassen meistern und dort hinkommen, wo Google Maps irgendwann resigniert. Meine Bodenfreiheit ist höher als die mancher Diskussion im Feuerwehrhaus, und meine Geländegängigkeit wurde speziell für die lokalen Verhältnisse getestet – oder wie die Feuerwehr sagt: „Fahr einfach mal da hoch.“
Besonders stolz bin ich auf meinen Ausbau. Der wurde nämlich nicht von irgendwelchen Bürohengsten geplant, sondern mit Unterstützung von Martin Lauer, der gleichzeitig Feuerwehrmann ist. Endlich durfte einmal jemand entscheiden, der tatsächlich weiß, wo Werkzeug hingehört und dass „praktisch“ mehr bedeutet als ein hübsches Prospektfoto. Bei meiner Übergabe waren viele wichtige Menschen anwesend. Natürlich auch Wehrführer Dirk Bartnick – mein Boss – sowie und zahlreiche Feuerwehrkameraden kamen vorbei, um mich zu begutachten. Ich habe mich dabei von meiner besten Seite gezeigt und nicht verraten, dass ich insgeheim schon ausgerechnet habe, wer als Erstes mit schlammigen Stiefeln auf meine Fußmatten steigt. Nun beginnt mein Dienst in Hochstetten-Dhaun. Ich bin bereit für Einsätze, Übungen und die eine oder andere Fahrt über Wege, bei denen selbst Mountainbiker kurz überlegen würden. Sollte irgendwo Hilfe benötigt werden, bin ich zur Stelle. Und falls der Weg dorthin eher einer Ziegenwanderroute ähnelt als einer Straße – umso besser.
Mit kameradschaftlichen Grüßen
Euer neuer Feuerwehr-Toyota
P.S.: Natürlich wäre ich auch gern ein VW oder Mercedes geworden. Aber irgendjemand muss ja die schwierigen Wege fahren.




