Die wichtigsten Botschaften verstecken sich oft in Halbsätzen. So auch der Satz von Investor Bottlender: „Mit wenigen Änderungen an unserem Bebauungsplan und bei einem reibungslosen Ablauf könnten wir ab Spätsommer oder Herbst anfangen zu bauen.“ Ein kleiner Halbsatz – und plötzlich hängt die Hoffnung an der Nase der Rettungswache. Laut eines aktuellen Zeitungsberichts deutet sich nun eine Lösung für die seit Jahren diskutierte Situation in Kirn an – möglicherweise sogar schneller, als man es in der Region lange für möglich gehalten hätte. Nach Jahren des Stillstands wirkt selbst ein kleiner Fortschritt inzwischen wie eine Sensation. Ist das die Wende im ewigen Warten?
Dürfen die Mitarbeiter der Rettungswache in der Carl-Simon-Straße endlich auf zeitgemäße Arbeitsbedingungen hoffen, nachdem der Landkreis Bad Kreuznach über ein Jahrzehnt lang scheinbar alles ausgesessen hat – allen voran Landrätin Bettina Dickes? Ein Baubeginn noch in diesem Jahr wäre tatsächlich eine Überraschung – vielleicht sogar der Coup des Jahres. Kirner-Land-Nachrichten berichtete bereits unter der Woche über die Zusammenkunft. Ein solches Statement lag der Redaktion zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht vor. Wer hätte gedacht, dass Bürokratie manchmal doch schneller laufen kann, als man ihr zutraut? Bleibt zu hoffen, dass die Mitarbeiter in die Planungen einbezogen werden. Denn nicht selten wird gerade an denen vorbeigeplant, die später täglich mit den Ergebnissen leben und arbeiten müssen.
Kleine Historie eines langen Wartens
Die Geschichte der Rettungswache Kirn liest sich inzwischen fast wie eine kommunalpolitische Langzeitstudie über Geduld – sehr viel Geduld. Bereits 2016 war klar, dass die bestehenden Räumlichkeiten für eine moderne Rettungswache eher in die Kategorie „historisch gewachsen“ als „zukunftsfähig“ fallen. Platzmangel, beengte Aufenthaltsräume und wenig zeitgemäße Infrastruktur waren schon damals kein Geheimnis. Seitdem wurde viel gesprochen, geprüft, diskutiert und erwogen. Mal ging es um eine Sanierung, mal um einen Neubau, dann wieder um mögliche Standorte. Auch Ideen, die Wache irgendwo zwischen verschiedenen Orten anzusiedeln, geisterten zeitweise durch die Debatten. Die Aktenordner dürften in dieser Zeit jedenfalls deutlich gewachsen sein.
Währenddessen taten die Rettungskräfte das, was Rettungskräfte eben tun: arbeiten – nur eben unter Bedingungen, die eher aus einer anderen Zeit stammen. Dass die Einsatzkräfte trotz dieser Rahmenbedingungen täglich ihren Dienst leisten, ist vermutlich die konstanteste Größe in dieser langen Geschichte. So entwickelte sich das Projekt über die Jahre zu einer Art kommunalpolitischem Dauerläufer: viel Bewegung in Sitzungen und Diskussionen, aber wenig auf der Baustelle – genauer gesagt: gar nichts. Sollte der Investor nun tatsächlich Ernst machen und die Verantwortlichen mitspielen sowie die notwendigen Änderungen im Bebauungsplan zügig über die Bühne gehen, könnte plötzlich das passieren, woran viele kaum noch geglaubt haben: Baubeginn in Kirn – noch in diesem Jahr. Das wäre dann tatsächlich eine kleine Sensation. Oder anders gesagt: Nach fast einem Jahrzehnt Planung wäre es fast schon revolutionär, wenn plötzlich einfach gebaut würde.




