Rheinland-Pfalz erlebt derzeit ein politisches Naturwunder: den seltenen „Versorgungspilz“. Er wächst bevorzugt dort, wo ehemalige Spitzenpolitiker weich landen möchten – zum Beispiel bei Lotto Rheinland-Pfalz. Während Pflegekräfte nach Klinikinsolvenzen Bewerbungen schreiben und Arbeitnehmer um ihre Jobs zittern, entdeckt die politische Elite plötzlich ihre tiefe Leidenschaft für gut dotierte Geschäftsführerposten. Welch glücklicher Zufall. Besonders beeindruckend ist dabei die Kreativität der Verantwortlichen. Reicht ein Chefposten nicht aus, wird eben ein zweiter geschaffen. Schließlich darf man verdiente Parteifreunde nicht der grausamen Realität eines normalen Abgeordnetengehalts aussetzen. Das wäre unmenschlich. Wer jahrelang das Volk vertreten hat, soll schließlich nicht plötzlich lernen müssen, wie normale Menschen leben.
Immerhin: Hendrik Hering hat den Job inzwischen abgelehnt. Allerdings wohl kaum aus plötzlicher Einsicht oder neu entdeckter Bescheidenheit, sondern eher deshalb, weil der öffentliche Druck inzwischen zu groß wurde. Offenbar war selbst in politischen Kreisen die Schmerzgrenze erreicht. Dass man dafür erst einen Sturm der Empörung brauchte, macht die Sache allerdings kaum besser – eher peinlicher. Die Bürger dagegen dürfen weiter üben, den Gürtel enger zu schnallen. Krankenhäuser schließen, Unternehmen bauen Stellen ab, Rentner sorgen sich um ihre Zukunft – aber irgendwo muss politische Verantwortung ja sichtbar werden. Und offenbar zeigt sie sich heute vor allem darin, möglichst elegant vom Parlament direkt in den nächsten Luxus-Sessel zu gleiten.
Besonders bemerkenswert ist die Überraschung vieler Politiker über den Erfolg der AfD. Niemand kann sich erklären, warum Bürger politikverdrossen werden. Wirklich ein Rätsel. Vielleicht liegt es am Wetter. Sicher nicht daran, dass Posten offenbar nach Parteibuch verteilt werden wie Karnevalsorden auf einer Prunksitzung. Früher sprach man von Filz und Vetternwirtschaft. Heute nennt man es vermutlich „strategische Personalentwicklung“. Das klingt moderner und beleidigt niemanden in den Chefetagen staatlicher Betriebe. Die eigentliche Botschaft an die Bürger lautet jedenfalls: Für euch gelten Sparzwang, Unsicherheit und Verzicht. Für uns gelten Anschlussverwendung, Versorgung und großzügige Gehaltsmodelle. Und genau diese Unverschämtheit verkauft man dann auch noch als verantwortungsvolle Politik. Chapeau.




