Zwei Dörfer, zwei Solarwelten: Hochstetten-Dhaun und Hennweiler im Vergleich

Terminhinweis: Heute entscheidet der Ortsgemeinderat Hochstetten-Dhaun über die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Teilgebiet „Itzbach – In den weißen Äckern Mitte“. Die Zustimmung gilt als Formsache. Frei übersetzt: Die nächste Ausbaustufe der lokalen Solarserie geht in die politische Endphase. Während anderswo noch über ein einzelnes Solarpanel in der Tagesordnung diskutiert wird, hat man hier längst ein anderes Tempo erreicht. Nach dem bereits realisierten Solarpark „Itzbach – In den weißen Äckern“ geht es konsequent weiter. Neue Teilbereiche im Hang Richtung Karlshof (siehe Bild) stehen bereits in der Bauleitplanung – jeweils im zweistelligen Hektarbereich und in bemerkenswerter Regelmäßigkeit. Was nach außen wie ein schrittweiser Ausbau der Energiewende wirkt, hat intern längst etwas von kommunaler Serienproduktion: Fläche identifizieren, prüfen, planen, ausweisen – nächstes Kapitel. Wenn eine Fläche nicht passt, wird sie angepasst, verschoben oder durch die nächste ersetzt. Der Takt bleibt dabei erstaunlich konstant. Hinzu kommt: Ein Großteil der Flächen befindet sich in Gemeindeeigentum, was die wirtschaftliche Dimension für die Kommune zusätzlich unterstreicht. Auch politisch ist der Kurs bereits weitgehend gesetzt: Der Verbandsgemeinderat hat den Entwicklungen bereits zugestimmt – der Rückenwind aus der VG-Ebene ist damit vorhanden.

Ganz anders der Blick ins Nachbardorf Hennweiler.

Dort wird über deutlich größere Vorhaben – teils im Bereich von 40 bis 50 Hektar – nicht nur beraten, sondern sichtbar und teils emotional gerungen. Bürgerproteste, abgelehnte Begehren und kontroverse Diskussionen zeigen: Hier ist die Energiewende kein Verwaltungsakt, sondern ein politischer Dauerbrenner. Und anders als in Hochstetten-Dhaun steht dort die Hürde VG-Rat noch aus – der Ausgang ist offen. Und genau hier liegt ein Unterschied, der selten offen ausgesprochen wird: die Lage der Flächen. In Hochstetten-Dhaun verschwinden die Projekte landschaftlich weitgehend im Hintergrund. Die Anlagen liegen so, dass sie aus der Dorfoptik kaum wahrnehmbar sind – Energiewende im nahezu geräuschlosen Modus. Zugegeben: Kirn hat die optische Präsenz, aber Kirn entscheidet nicht. In Hennweiler dagegen liegen die Flächen dort, wo man sie zwangsläufig sieht: am Dorfeingang, im direkten Sichtfeld des Alltags. Genau dort, wo aus „Projektfläche“ sehr schnell „Ortsbild“ wird – und damit auch Emotion entsteht. Und wo Wahrnehmung erfahrungsgemäß schneller wächst als Zustimmung. Eine Bürgerinitiative hat sich in Hennweiler gegründet beziehungsweise ist dabei es zu tun. Der Unterschied könnte kaum deutlicher sein: Hier die Energiewende im weitgehend durchgestimmten Verwaltungs- und VG-Rückenwind. Dort die Energiewende im offenen Verfahren mit noch ausstehenden Beschlüssen und höherer politischer Reibung. Am Ende bleiben zwei Gemeinden, zwei Strategien – und zwei sehr unterschiedliche Arten, wie sichtbar Energiewende sein darf, bevor sie politisch wird.