Kurzer Blick auf den Unfall heute zwischen Weitersborn und Kellenbach: Was als klassischer Verkehrsunfall begann, entwickelte sich binnen Minuten offenbar zur gefühlten Generalmobilmachung. Ein Frontalzusammenstoß, eine dramatische Erstmeldung, das Wort „eingeklemmt“ im Notruf – und schon setzte sich das komplette Rettungskarussell in Bewegung: Feuerwehr in Staffelstärke, Rettungsdienst, Polizei, Luftrettung, Reservekräfte, Vollsperrung, Stau inklusive. Man fragt sich unweigerlich: Was hat der Erstmelder am Telefon eigentlich gesehen? Ein Unfall – oder schon den Trailer zum Katastrophenfilm? Gemäß Zeitungsbericht klang die erste Alarmmeldung dramatisch: Es war von zwei eingeklemmten Personen die Rede. Wenn es hinterher keine Verletzten gegeben hat, dann war auch niemand hinter dem Lenkrad eingeklemmt. Da sieht man doch! Mit jeder aufgeregten Schilderung am Hörer dürfte in der Leitstelle die Alarmspirale ein Stück höher geklickt haben. „Zwei eingeklemmt!“ – und schon rollen Rettungssätze, Löschfahrzeuge und der Hubschrauber an, als müsse halb Rheinland-Pfalz aus der Karosserie geschnitten werden.
Vor Ort dann die Überraschung: keine Schwerverletzten, niemand eingeklemmt, beide Fahrer leicht verletzt, Krankenhaus? Nein danke. Übrig blieb ein Bild, das man aus solchen Einsätzen kennt: abgesperrte Straße, Blaulicht aus allen Richtungen, ein Hubschrauber auf Bereitschaft, Feuerwehr in Mannschaftsstärke beim batterie abklemmen – und am Ende vor allem eines: eine sehr energische Kaltverformung mit Totalschaden. Natürlich gilt im Rettungswesen: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Aber als Außenstehender fragt man sich schon, ob irgendwo zwischen Erstmeldung, Leitstelle und Alarmierung aus einem Unfall nicht kurzzeitig ein Szenario der Kategorie „Land unter“ geworden ist. Und der Erstmelder? Der wollte vermutlich helfen – und hat mit seiner Einschätzung am Telefon binnen Sekunden einen Einsatz ausgelöst, bei dem wahrscheinlich selbst der BMW dachte: So schlimm sehe ich jetzt auch wieder nicht aus. Den Erstmelder sollte man im Nachgang befragen. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Der Blechschaden war groß, die Aufregung größer – und der Rettungshubschrauber dürfte auf dem Heimflug gedacht haben: „Dafür bin ich also gestartet.“ Bleibt am Ende die Kostenfrage.




