Nach Jahren im Schlamm: Jetzt geht es los in Meckenbach

Jetzt passiert also doch etwas in Meckenbach. Man reibt sich verwundert die Augen, prüft sicherheitshalber den Wetterbericht – und siehe da: Nicht der nächste Schlammstrom rollt an, sondern tatsächlich Maßnahmen gegen ihn. Die Ortsgemeinde Meckenbach setzt gemeinsam mit dem Bergwaldprojekt e. V. eine umfassende Initiative zur Stabilisierung des erosionsgefährdeten Steilhangs oberhalb der Ortslage um. Jener Hang also, der in den Bereichen „Ritsch“ und „Hofacker“ bislang schon bei moderatem Regen zuverlässig bewiesen hat, dass Wasser immer den Weg des geringsten Widerstands findet – bevorzugt mitten durchs Dorf. Die Ursachen des Problems sind inzwischen nicht nur bekannt, sondern nahezu lehrbuchreif dokumentiert: eine über Jahre zu üppige Muffelwildpopulation, starke Trittbelastung, fehlender Bewuchs und dazu die freundliche Unterstützung des Klimawandels, der Starkregen inzwischen gerne in XXL liefert. Doch statt weiter nur zu beobachten, beraten und bedauern, wird jetzt tatsächlich angepackt.

Das Konzept klingt ambitioniert: kurzfristig technische Sicherungen, mittelfristig ein angepasstes Wildtiermanagement und langfristig mehr Wasserrückhalt am Hang, damit aus jedem Regenschauer nicht gleich wieder ein kommunales Schlammfestival wird. Erste Schritte sind bereits erfolgt. Ein Weisergatter wurde errichtet, um den Wildeinfluss zu überprüfen, ein Berufsjäger kümmert sich um das Wildtiermanagement, und unterhalb der „Ritsch“ wurden in einem Pilotprojekt erste Wasserrückhaltebereiche mit liegenden Baumstämmen angelegt – gewissermaßen natürliche Bremsklötze für den Hang. Nun folgt die nächste Stufe: Vier sogenannte Krainerwände sollen unterhalb der „Ritsch“ entstehen, ergänzt durch einen Schnellzaun aus Knotengeflecht. Allein der Transport von Baumstämmen, Bohlen und Zaunmaterial in das steile Gelände dürfte dabei schon fast olympische Disziplinen erfordern.

Mit im Boot – oder besser gesagt: mit dem Hut auf – bei den kommenden Maßnahmen ist Revierförster Tobias Helfenstein, der die Umsetzung fachlich mit begleitet. Als Waldmann packt er nun mit an, damit der Hang wieder Halt bekommt. Und wer weiß: Vielleicht kann er das, was er heute zwischen Bäumen, Bohlen und Krainerwänden mit auf den Weg bringt, irgendwann einmal als Bürgermeister feierlich einweihen. Maybe? Auch am „Hofacker“ wird nachgebessert. Schwarz-Kiefern, Elsbeeren und Robinien sollen den Hang künftig stabilisieren. Querliegende Baumstämme, bergseits geneigte Wege und Sickermulden sollen das Wasser abbremsen und besser im Gelände halten – damit Starkregen nicht länger automatisch zur Dorfbesichtigung in flüssiger Form ansetzt.

Die weiteren Maßnahmen sind für den Zeitraum vom 29. Juni bis 10. Juli 2026 geplant. Das Projekt sorgt inzwischen sogar überregional für Aufmerksamkeit – im Rahmen der Initiative „Schwammregion Soonwald-Nahe“ ebenso wie in Fachkreisen, die das Vorhaben mit wachsendem Interesse beobachten. Und so könnte Meckenbach am Ende tatsächlich vom Paradebeispiel bürokratischer Untätigkeit zum Modellprojekt moderner Hangstabilisierung werden. Nach Jahren des Schauens, Prüfens und Protokollierens scheint nun tatsächlich das eingetreten zu sein, woran manche im Dorf vermutlich kaum noch geglaubt haben: Es geht los. Hoffen wir, dass künftig nur noch die Maßnahmen ins Rollen kommen – und nicht der Hang.