Beschluss folgt nach Jahren Realität: VG-Werke ziehen ins Hinterhaus – diesmal wirklich

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Die Verwaltung setzt in der morgigen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses zum Umzug an. Möglich macht das eine „Ergänzende Vereinbarung zur Fusionsfolgevereinbarung vom 10.05.2021“ – also genau die Art von Dokument, die man braucht, um festzustellen, dass ein Provisorium irgendwann auch mal enden sollte. Denn genau das war „Altstadt 1“ von Anfang an: eine Übergangslösung. Geplant bis zum 31.12.2023. Ein Datum, das inzwischen eher als grobe Orientierung denn als Zielmarke verstanden wird. Drei Jahre später ist man nun bereit für den nächsten Schritt: den längst überfälligen Abzug. Die große Fusionsidee – alles ins Rathaus! – ist derweil an der Realität gescheitert. Zu wenig Platz, zu viele Menschen, zu viele Bedenken. Selbst kreative Vorschläge wie die Nutzung von Galerieflächen wurden politisch elegant beerdigt. Das Rathaus bleibt, wie es ist – also voll, unaufgeräumt und weiterhin ohne Platz für zusätzliche Nutzer. Die Verbandsgemeindewerke ziehen dort folgerichtig auch weiterhin nicht ein.

Stattdessen verlagert sich das Geschehen ins VG-Nebengebäude sowie in zusätzliche Flächen in der Bahnhofstraße. Das Nebengebäude liegt dabei etwas abseits in zweiter Reihe, eher zurückgesetzt und funktional geprägt – dunkel, unscheinbar und ohne jeden Anspruch auf repräsentative Wirkung. Kein Ort für große Auftritte, sondern für das reine Abarbeiten von Alltag. Und abzuarbeiten gibt es einiges. Dort soll künftig die Verwaltung untergebracht werden – kurz: alles, was im Rathaus theoretisch vorgesehen war, praktisch aber nie passte. Kurz gesagt: Man geht dahin, wo wirklich Platz ist. Eine Lösung von bestechender Einfachheit, die nur eine Frage offenlässt: warum sie erst nach Jahren der Fusionsplanung als beschlussreife Erkenntnis auftaucht. Die Beschlussvorlage bleibt dabei formal stabil: Es handelt sich ausdrücklich nicht um einen Kurswechsel, sondern um eine „sachgerechte Anpassung an die tatsächlichen Gegebenheiten“. Oder, weniger amtlich formuliert: Der Plan wird nicht geändert – er wird aufgegeben, nur eben mit Protokoll.

Mit dem erwarteten Ja des Stadtrats – intern bereits als Formsache gehandelt – wird nicht nur der Umzug eingeleitet, sondern auch ein Dauerzustand beendet, der bislang als „Übergang“ etikettiert war. Gleichzeitig rückt ein weiteres Thema näher: die Zukunft des Kreisel-Hauses. Erste Gedanken an einen Verkauf dürften hinter vorgehaltener Hand längst kursieren. Der Makler kann schon mal den Kalender zücken. Bleibt die eigentliche Kernfrage: Wird jetzt alles besser? Die Antwort fällt nüchtern aus. Denn während Räume verlegt werden, bleibt das Personal, vor allem in den entscheidenden Positionen, wo es ist. Ein Umzug ist eben räumlich – nicht strukturell. So könnte am Ende gelten: Neue Adresse, alte Probleme. Aber immerhin – nach drei Jahren Stillstand wirkt selbst das wie Fortschritt.