Willkommen im Kirner Land – mit Knöllchen inklusive beim Romantischen Gartenfest

Galgenhumor mit deutlichem Seitenhieb auf die „Kirner-Land-Vorgehensweise“ bewies eine taffe und wortgewandte Leserbriefschreiberin im Öffentlichen Anzeiger. Sie schildert das romantische Gartenfest auf Schloss Dhaun aus der Perspektive einer Besucherin, die den Muttertag als unbeschwerten Ausflug geplant hatte – und stattdessen mit einem Knöllchen über 10 Euro sowie einem nachhaltigen Eindruck amtlicher Präsenz nach Hause ging. Zwischen Feststimmung, Familienbesuch und idyllischer Kulisse trat aus ihrer Sicht eine Verkehrsüberwachung auf den Plan, die ebenso sichtbar wie konsequent agierte. Wer auch nur kurz falsch – wenn auch nicht erkennbar behindernd – parkte, erhielt keinen freundlichen Hinweis, sondern den formellen Gruß unter dem Scheibenwischer. Solche „Willkommensgeschenke“ bleiben erfahrungsgemäß in Erinnerung – allerdings selten im positiven Sinne und mit entsprechendem Effekt auf das Image.

Rechtlich ist das Vorgehen kaum zu beanstanden. Das Parken auf einer Vorfahrtsstraße außerhalb geschlossener Ortschaften ist unzulässig und kann geahndet werden – unabhängig davon, ob im Einzelfall tatsächlich jemand behindert wird. Die Verbandsgemeinde zieht folgerichtig ein positives Fazit: „Mit dem Verlauf der Veranstaltung sind wir als Ordnungsverwaltung zufrieden. Die Verkehrsteilnehmer haben sich überwiegend an die Beschilderung sowie die damit verbundenen Verkehrsregelungen gehalten.“ Weiter heißt es, beanstandet worden seien lediglich Fahrzeuge, die den Fußgänger- oder Busverkehr behindert hätten. Das klingt schlüssig – wirft jedoch Fragen auf. Denn bei einem Tatbestand mit Behinderung hätte das Verwarnungsgeld höher ausfallen müssen. Hier entsteht ein Widerspruch zwischen Darstellung und Sanktion.

Noch interessanter wird es im Zusammenspiel mit der Berichterstattung: Am selben Tag wie der Artikel zum Fest erschien auch der Leserbrief – eine zeitliche Nähe, die zumindest bemerkenswert ist. Dort ist von Falschparkern die Rede, die „angesprochen“ worden seien. Ein feiner Unterschied: zwischen einem dezenten Hinweis und einer konsequenten Ahndung. Die Leserbriefschreiberin wurde nicht angesprochen – sie wurde sanktioniert. Genau hier liegt der Kern der Kritik: das vielzitierte Fingerspitzengefühl. Denn was rechtlich zulässig ist, ist nicht automatisch in jeder Situation auch sinnvoll. Wo endet notwendige Verkehrslenkung – und wo beginnt der Eindruck eines überzogenen Vollzugs? Ein gut besuchtes Gartenfest lebt von Atmosphäre, Leichtigkeit und Gastfreundschaft. Wenn jedoch der Eindruck entsteht, dass nebenbei auch noch fiskalisch „mitgenommen“ wird, hinterlässt das einen Beigeschmack. Nicht jeder Regelverstoß muss sofort zum Lehrstück werden – manchmal reicht auch ein Hinweis. Oder anders gesagt: Ordnung ist wichtig. Aber sie sollte nicht lauter sein als das Fest selbst.

One thought on “Willkommen im Kirner Land – mit Knöllchen inklusive beim Romantischen Gartenfest

  1. Es fahren ständig Busse direkt von den Parkplätzen bis 10m vors Schloss, so nahe kann man während dem Fest nirgends parken.
    Als Anwohner bekommt man mit wie es jedes Jahr zu Behinderungen kommt und private und auch als solche gekennzeichnete Parkplätze blockiert werden.
    Mein Highlight war als bei einem vergangenen Fest meine Treppe so zugeparkt wurde, dass ich halb über die Motorhaube klettern musste.
    Natürlich fühlt man sich persönlich in so einem Moment durch ein Knöllchen auf die Füße getreten. Aber ersten gibt es die Möglichkeit der Busse und zweitens kann man einen Wisch beim Amt beantragen wenn ein gewisser Grad der Gehbehinderung vorliegt, der es einem ermöglicht auch eine zeitlang im Parkverbot zu stehen.
    Seit Jahren Gast sieht man Leuten wohl auch schlecht an bei einer Veranstaltung mit tausenden von Besuchern.
    Ich wohne in siebster Generation in meinem Haus hier und mich hat auch noch keiner gefragt wo ich wohl während den festen Parken kann, ich habe am Haus keinen Parkplatz. Nur durch eine nette Nachbarin ist es mir überhaupt möglich mein Auto wo abzustellen. Es gibt zu viele Anwohner ohne Stellplatz, da sind die erlaubten Parkplätze am Fahrbahnrand voll noch bevor das Fest losgeht.

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