Wie sich die Bilder gleichen: Was Kirn bereits hinter sich hat, beginnt sich nun in Bad Kreuznach fast lehrbuchhaft zu wiederholen. Die geplante Erweiterung des Steinbruchs Traisen im Stadtwald sorgt für genau jene Frontstellungen, Argumentationsmuster und Warnungen, die vor Jahren rund um den Steinbruch „Auf Halmen“ in Kirn die Debatte bestimmten. Auch in Bad Kreuznach prallen Befürworter und Gegner in den Ausschüssen aufeinander, und auch hier wird zunächst der wirtschaftliche Nutzen betont. Die Basalt AG argumentiert – wie einst in Kirn – mit der Bedeutung des Steinbruchs als Rohstoffspeicher für die Region und damit, dass nur so die Versorgung mit Gestein langfristig gesichert werden könne. Sechs Hektar Wald, gerade einmal 0,6 Prozent der städtischen Waldfläche, müssten dafür weichen, flankiert von Ausgleichs- und Rekultivierungsversprechen. Die Botschaft ist bekannt: Steinbrüche mögen niemand schön finden, gebraucht werden sie trotzdem – und sie bringen Geld.
Ebenso bekannt klingen die Gegenargumente. Umwelt- und Naturschützer warnen vor irreversiblen Schäden für Flora und Fauna und stellen infrage, ob Ausgleichsmaßnahmen mehr sind als ein beruhigendes Versprechen auf dem Papier. Der Wald sei vor Ort nicht ersetzbar, wirtschaftliche Vorteile dürften nicht automatisch schwerer wiegen als ökologische Verluste. Hinzu kommt ein Déjà-vu auch beim Blick auf die Zahlen: Konkrete Aussagen zu Pacht- und Gewerbesteuereinnahmen bleiben vage – ein Punkt, der schon in Kirn für Ernüchterung sorgte. In Kirn führte diese Gemengelage letztlich zu einer klaren Entscheidung. Als die Reaktivierung des alten Steinbruchs „Auf Halmen“ im Raum stand, formierte sich eine Bürgerinitiative, die den Widerstand bündelte. Die Stadt zog die Reißleine und erteilte dem Vorhaben eine Absage. Der Dhauner Wald blieb unangetastet – nicht zuletzt, weil deutlich wurde, dass gesellschaftliche Akzeptanz für das Projekt fehlte.
Genau diese Erfahrung schwingt nun in Bad Kreuznach mit. Wieder stehen wirtschaftlicher Nutzen und Rohstoffbedarf gegen Natur- und Landschaftsschutz, wieder stellt sich die Frage, wie viel Wald eine Stadt für kurzfristige Vorteile preisgeben will. Kirn wirkt dabei wie eine Blaupause: als Beispiel dafür, wie solche Debatten enden können, wenn Bürgerinnen und Bürger den Eindruck gewinnen, dass ökologische Bedenken hinter wirtschaftlichen Interessen zurückstehen müssen. Noch ist in Bad Kreuznach nichts entschieden. Doch wer die Kirner Geschichte kennt, erkennt in der aktuellen Diskussion viele vertraute Szenen – und weiß, dass diese Auseinandersetzung weit mehr ist als eine reine Planungsfrage.

