Post zum CDU-Wahlkampfplakate-Treffen: Mohrenkopf, Dickes und die Tücken der Sprache

Es sollte eigentlich ein harmloser Post werden: Garten, Sonnenschein, Weck und Worscht, motivierte Wahlkämpfer und ganz viel Daumendrücken für Katharina Gräf. Ein politisches Idyll, irgendwo zwischen Grillfest und Demokratiepflege. Doch dann lag er plötzlich auf dem Tisch – der Mohrenkopf. Sprachlich, wohlgemerkt. Und wie so oft gilt: Kaum ist er da, klebt er. Landrätin Bettina Dickes wollte einfach nur vom Start der heißen Wahlkampfphase auf Facebook berichten: Bei Weck, Worscht und Mohrenkopf ging es gestern bei mir im Garten mit einem hoch motivierten Taem Katharina für den Wahlkreis 18 los.“ Kleiner Lapsus. Während der Schokokuss längst neue Namen trägt, geistert der alte Begriff offenbar noch durch manche Gärten – ganz ohne böse Absicht, aber mit ordentlich historischem Ballast im Gepäck. Das ist das Gemeine an Sprache: Sie merkt sich alles. Auch das, was man selbst längst vergessen hat oder nie hinterfragt hat, weil es immer schon so hieß. Der Mohrenkopf ist dafür das perfekte Beispiel – äußerlich süß, innerlich problematisch. Und in sozialen Netzwerken wirkt er wie ein rhetorischer Stolperdraht: Wer ihn berührt, löst garantiert etwas aus. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Wahlkampf heute nicht nur mit Plakaten, sondern auch mit Worten geführt wird. Und dass selbst gut gemeinte Sonnenschein-Posts im Schatten der Sprachgeschichte landen können. Vielleicht wäre beim nächsten Mal die sichere Variante klüger: Weck, Worscht und ein Schokokuss. Schmeckt genauso – und lässt weniger Nachgeschmack.