Manche Menschen verbringen ihren Urlaub am Strand, andere in den Bergen. Tim und Susanne Bamberger aus Hochstetten-Dhaun kamen auf eine ganz andere Idee: Sie fahren einfach mal mit dem Fahrrad quer durch Deutschland. Vom südlichsten Punkt des Landes in den Oberstdorfer Bergen bis zum nördlichsten Zipfel auf Sylt, dem Ellenbogen. Rund 1.500 Kilometer liegen zwischen diesen beiden Punkten – und inzwischen auch schon einige Liter Schweiß. Die Hälfte der Strecke haben die beiden bereits geschafft. Während andere im Urlaub darüber nachdenken, welchen Liegestuhl sie am Hotelpool reservieren, sitzen Tim und Susanne täglich viele Stunden im Fahrradsattel. Dafür opfern sie sogar ihren Jahresurlaub. Allein dafür muss man den beiden schon großen Respekt zollen. Denn wer freiwillig Tag für Tag rund 100 Kilometer mit Gepäck auf dem Fahrrad zurücklegt, tut dies nicht aus Bequemlichkeit.

Am heutigen Tag wartet die nächste Etappe ab Kassel. Rund 100 Kilometer täglich stehen im Schnitt auf dem Programm. Wohlgemerkt analog. Ohne E-Bike. Die einzigen Akkus, die hier zum Einsatz kommen, sind die Beine. Und die funktionieren bislang erstaunlich zuverlässig. Größere Sorgen bereitet inzwischen eine andere Körperregion. „Der Hintern ist ein größeres Problem als die Beine“, lautet die ehrliche Zwischenbilanz nach mehreren Tagen im Sattel. Damit die Akkus nicht schlappmachen, gilt unterwegs eine eiserne Regel: trinken, trinken und nochmals trinken. Wer täglich solche Distanzen bewältigt, lernt schnell, dass Wasserflaschen mindestens genauso wichtig sind wie die Gangschaltung.
Übernachtet wird meist auf den Geländen von Boots- und Kanuvereinen. Dort findet sich häufig ein Platz fürs Zelt und manchmal auch ein interessiertes Publikum, das wissen möchte, warum zwei Menschen freiwillig quer durch Deutschland radeln. Dabei begann alles eher als Schnapsidee. Eine jener Ideen, die normalerweise beim zweiten Nachdenken wieder verschwinden. Nicht so bei Tim und Susanne. Die Idee reifte, wurde konkreter und irgendwann stand fest: Einmal quer durch Deutschland muss sein. Der bisherige Streckenverlauf liest sich wie das Inhaltsverzeichnis eines Radwanderführers. Am ersten Tag ging es vom südlichsten Punkt Deutschlands bis nach Kempten. Es folgten Ulm mit Übernachtung bei den Ulmer Paddlern, Ellwangen, Creglingen an der Tauber, der Mainradweg bis Gemünden am Main und anschließend Fulda, wo ein Kanuverein Quartier bot. Die jüngste Etappe führte über stolze 143 Kilometer von Fulda nach Kassel.

Und als wäre das nicht genug, haben die beiden bislang bereits 5.410 Höhenmeter vernichtet. Eine Zahl, die selbst manchen Mittelgebirgswanderer respektvoll nicken lässt. Umso größer ist nun die Freude, dass in den kommenden Tagen die Flachetappen dominieren werden. Das Wetter spielt mit, die Motivation ist hoch und insgesamt ist, wie man so schön sagt, alles im grünen Bereich. Übrigens reist nicht nur die sportliche Leistung quer durch Deutschland, sondern auch ein Stück Heimat. Der Kirner Bierclub fährt gewissermaßen mit. Entsprechendes Outfit wird von Süd nach Nord getragen und sorgt unterwegs immer wieder für Gesprächsstoff. So wird die Tour nicht nur zu einer sportlichen Herausforderung, sondern auch zu einer sympathischen Botschafterreise für die Heimatregion.
Wir werden Tim und Susanne auf ihrem Weg bis zum Ziel begleiten und regelmäßig von ihrem Abenteuer berichten. Bleiben also noch rund 750 Kilometer bis zum Ellenbogen auf Sylt. Wenn die Beine weiterhin als Akku dienen und der Hintern keinen Aufstand probt, dürfte auch dieses Abenteuer ein gutes Ende nehmen. Und eines ist schon jetzt sicher: Wenn die beiden schließlich am nördlichsten Punkt Deutschlands ankommen, wird es an dieser Stelle noch einen weiteren Beitrag vom großen Finale geben. Verdient hätten sie ihn allemal. Vielleicht halten Tim und Susanne im Anschluss sogar einen Vortrag über ihr Abenteuer – Stoff dafür gäbe es jedenfalls genug. Die Kirner-Land-Nachrichten wären dabei mit Sicherheit vertreten, schon allein aus persönlichem Interesse. Und wer weiß: Vielleicht packt den einen oder anderen am Ende sogar selbst die Lust, sich einmal auf eine solche Reise zu begeben.






