Sachen gibt es: In Zeiten, in denen wirklich jeder – von der Bundesregierung bis zum Dorfverein – „mehr Digitalisierung“ fordert, leistet sich die Verbandsgemeinde Kirner Land einen eigenen Ausschuss für genau dieses Zukunftsthema. Das klingt zunächst nach Weitblick, nach Struktur, nach Aufbruch. Dumm nur: Dieser Ausschuss hat seit seiner Gründung vor zwei Jahren, nach den Kommunalwahlen, kein einziges Mal getagt. Und nein, das ist kein böses Gerücht aus der politischen Gerüchteküche, sondern lässt sich ganz nüchtern im Ratsinformationssystem nachvollziehen. Keine Sitzungen, keine Einladungen, keine Protokolle. Ein Ausschuss in perfekter digitaler Unsichtbarkeit – konsequent umgesetzt, könnte man fast sagen. Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Besteht etwa kein Bedarf? Die Antwort dürfte selbst den größten Optimisten schwerfallen. Digitalisierung ist längst kein exotisches Spezialthema mehr, das man bei Gelegenheit mal auf die Tagesordnung setzt. Sie betrifft Bürgerdienste, interne Abläufe, Kommunikation, Förderprogramme – kurz: den gesamten Verwaltungsalltag. Gerade kleinere Verwaltungen kämpfen hier oft mit begrenzten Ressourcen, gewachsenen Strukturen und einem nicht gerade überbordenden Innovationsdruck. Mit anderen Worten: Wenn irgendwo Bedarf besteht, dann hier. Warum also tagt der Ausschuss nicht?
Vielleicht werden die Themen einfach woanders erledigt. Im Hauptausschuss, im Rat, oder gleich direkt in der Verwaltung – schnell, effizient und ganz ohne zusätzliche Diskussion. Das wäre zumindest eine Erklärung. Allerdings auch eine, die die Existenz des Digitalisierungsausschusses selbst ein wenig… überflüssig erscheinen lässt. Oder war das Ganze von Anfang an eher ein symbolischer Akt? Ein Häkchen auf der To-do-Liste moderner Kommunalpolitik: „Digitalisierungsausschuss einrichten – erledigt.“ Dass ein Ausschuss mehr ist als seine bloße Existenz, nämlich ein Ort für Debatte, Steuerung und Kontrolle, wäre dann eine eher theoretische Erkenntnis geblieben. Und dann gibt es noch eine dritte, etwas unangenehmere Möglichkeit: Ist die Verwaltung vielleicht schlichtweg zu „strack“, zu unbeweglich, um ein solches Gremium überhaupt sinnvoll für sich zu nutzen? Ein Ausschuss könnte ja auch unbequem sein. Er stellt Fragen, fordert Konzepte, bringt externe Perspektiven ein. Er zwingt dazu, Dinge zu strukturieren, zu priorisieren und transparent zu machen. All das lässt sich vermeiden, wenn man ihn einfach nicht einberuft. Auch eine Form von Effizienz.
Dabei könnte ein funktionierender Digitalisierungsausschuss genau das leisten, was vielerorts fehlt: Orientierung in einem komplexen Themenfeld, politische Rückendeckung für Projekte, das Aufspüren von Fördermöglichkeiten und nicht zuletzt ein gewisses Maß an öffentlicher Transparenz. Stattdessen bleibt er im Kirner Land ein gut gemeintes Konstrukt ohne praktischen Nutzen – eine Art institutionalisierter Stand-by-Modus. Am Ende bleiben zwei Möglichkeiten: Entweder die Digitalisierung wird tatsächlich so reibungslos und vorausschauend gemanagt, dass ein eigener Ausschuss schlicht überflüssig ist. Oder aber das Thema wird nicht mit der Priorität behandelt, die es verdient. Beide Varianten werfen Fragen auf – die eine mehr ironische, die andere eher ernsthafte. Vielleicht wäre es an der Zeit, den Ausschuss einfach einmal tagen zu lassen. Schon aus Neugier. Man könnte dabei ja herausfinden, ob es ihn wirklich gibt und ob die Mitglieder noch leben.




