Paul-Gerhard Wagner klärt auf: Trinkwasser – Leben, Verantwortung, Haftung

Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel. Doch nur wenigen wird bewusst, wie viel Verantwortung, Aufwand und Haftung mit der Versorgung verbunden sind. Die Nachfolgenden Zeilen sollen aufklären, warum Wasserpreise steigen, welche Aufgaben die Betreiber übernehmen müssen und welche Folgen unser Umgang mit Wasser für Grundwasser, Umwelt und Versorgungssicherheit hat.

Jedes Jahr, wenn die Jahresabrechnungen über den Wasserverbrauch versendet werden, wird Kritik an den hohen Preisen laut. Dabei ist das aus Brunnen gepumpte Wasser das wichtigste Nahrungsmittel. Ein Kostenfaktor des Wasserpreises sind die Pump- und Wasserbehälterkosten. Ein weiterer Faktor ist die Unterhaltung und Erweiterung des umfangreichen Rohrleitungsnetzes mit allen Absperreinrichtungen, Pumpen, Zählern sowie die ständige Überwachung und Gesundheitskontrolle. Schließlich ist Trinkwasser aus Brunnen das wertvollste Lebensmittel in der Nahrungskette des Menschen. Die einst im Kirner Land geschaffenen Wasserverteilungsnetze wurden über die Jahre immer wieder durch Neubaugebiete erweitert. Alte Rohrleitungen sind reparatur- und renovierungsbedürftig. Der Betreiber der Wasserbeschaffungs- und Verteilanlagen ist gemäß § 823 BGB für den Schutz und die Sicherheit des Trinkwassers verantwortlich.

Aus dem Haftungsrecht der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) ergeben sich zudem Verkehrssicherungspflichten nach § 823 BGB. Die TrinkwV als öffentlich-rechtliche Norm regelt auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes die Qualität des Trinkwassers und dient dem Schutz der menschlichen Gesundheit. Daran haben sich alle Hausbesitzer und Nutzer von Trinkwasser zu halten. Eine der bekanntesten Gefahren durch Wasser sind Legionellen. Durch das umfangreiche Wasserversorgungssystem sind mittelbare und unmittelbare gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht auszuschließen. Daher gilt das oberste Gebot: die einwandfreie Trinkwasserbeschaffenheit sicherzustellen. Dazu gehört die Überwachung der Wassertemperatur (max. 20 °C am Hausanschluss), Wasserströmung und der Wassertausch.

Aus § 823 BGB Abs. 1 ergibt sich, dass derjenige, der eine Gefahrenquelle schafft, verpflichtet ist, Vorkehrungen zu treffen, um Schädigungen Dritter möglichst zu verhindern. Gebäudewasserversorgungsanlagen – in Wohnhäusern, Mehrfamilienhäusern und großen Gebäuden – stellen potenzielle Gefahrenquellen dar. Betreiber müssen formale Vorschriften beachten. Aus der Rechtsprechung zu Legionellen-Vorkommnissen bei Außerachtlassung der TrinkwV sind Entscheidungen des BGH bekannt, die bei Pflichtverletzungen angewendet werden. Der Wasserverbrauch steigt von Jahr zu Jahr – sowohl durch höheren Verbrauch als auch durch neue Baugebiete. Gleichzeitig sinken die Rückbildungsraten von Wasser aus Niederschlägen. Verdichtete Flächen und Versiegelung verhindern ein gleichmäßiges Eindringen in den Boden. Das bekannte Sterben der Bäume trocknet erst das Wurzelwerk, dann die Waldböden aus. Der Grundwasserspiegel sinkt weiter. Einst gab es im Ortskern der Gemeinde Oberhausen zahlreiche Brunnen. Die zentrale Wasserversorgung wurde erst Anfang der 1950er Jahre eingeführt. Die vielen Brunnen belegen, dass der Boden früher sehr wasserreich war.

Ursache ist die Bodenbeschaffenheit mit weit verzweigter Kapillarführung. Oberhausen hat ein Feuchtraumbiotop, und nach Kirn fließt noch immer ein Bach. Durch die Erschließung von Bauland in den letzten 40 Jahren hat sich die Landschaft verändert: Die wasserführenden Kapillaren sind gekappt, der Grundwasserstand gesunken, die Brunnen ausgetrocknet. Solange der Mensch seinen Wasserverbrauch nicht reduziert, sinkt der Grundwasserspiegel weiter. Böden in Wald, Feld und Wiesen trocknen aus, die Landschaft verändert sich. Der Wasserpreis steigt, weil Beschaffung und Verteilung immer teurer werden. Das Rohrleitungssystem im Erdreich und in Gebäuden wird reparaturanfälliger. Ein Schwimmbecken mit Trinkwasser zu füllen ist unter diesen Bedingungen nicht mehr vertretbar. Einst galt der Wasserpreis in Kirn als politischer Preis, der möglichst niedrig gehalten wurde. Heute ist das nicht mehr möglich. Wann wird der Wert des Wassers wirklich erkannt?

Paul-Gerhard Wagner
55606 Oberhausen bei Kirn

2 thoughts on “Paul-Gerhard Wagner klärt auf: Trinkwasser – Leben, Verantwortung, Haftung

  1. Ergänzung zu Paul-Gerhard Wagners Aufklärung zur bedenklichen Entwicklung bei unserem lebensnotwendigen Lebensmittel Trinkwasser.
    Nicht nur durch Neubaugebiete etc. wird das Versickern des Regenwassers, die Neubildung von Trinkwasser deutlich vermindert:
    Immer mehr breite Trassen für den Transport von Industrie in die Wäldern, riesige und auch tiefe Betonmassen in Waldflächen, unterbrechen zunehmend ebenso die Möglichkeit der Grundwasserneubildung. Zudem bedingen diese breiten und tief in den Boden verdichteten Schneisen für die tonnenschweren Transporte der Materialien eine immer stärkere Erwärmung weit in die Wälder hinein. Erhitzte Wälder, die auch der Kühlung von Städten dienten, verdunsten somit auch noch Regenwasser, anstatt es zu versickern.
    Unterirdische Strömung ist auch in Wäldern immer mehr unterbrochen.
    Die unsere Lebensgrundlage, Natur, negierenden Vorgaben bezüglich erneuerbarer Energien, bei deren Ausbau auch immer mehr gesunde Laubbäume gerodet wurden und werden, stehen völlig konträr zum Klimaschutz. Weil sie genau diesen natürlichen Klimaschutz der Wälder ignorieren, wie auch den Zusammenhang mit dem Grundwasser / Trinkwasser.
    Dass Schneisen in den Wäldern eine immer stärkere Erwärmung und damit beschleunigte Trockenheit auch dort bedingen, zeigten schon vor Jahren Satellitenbilder der ESA.
    Leider wird auch dies negiert. Es gibt so viel Wissen und auch immer weitere Erkenntnisse.
    Genauso viel, wie das ignoriert und immer weiter einseitig auf aktuelle und viel auf monetäre Interessen bezogen „angepasst“ und prägnant als positiv verbreitet wird. Anstatt alles Wissen zusammenzufassen, um Kompromisse zu erörtern und entsprechend umsichtig zu handeln.
    Immer mehr Mitbürger haben das schon erkannt und denken weiter, machen darauf aufmerksam, dass sie Zusammenhänge erkannt haben.
    Denn auch unsere Kinder und Enkel brauchen die Lebensgrundlage Natur, in jeder Hinsicht.
    Auch die Nachkommen der heute Verantwortlichen, die das so immer mehr mitdenken (müssen), sind genauso von deren jetzigen Entscheidungen betroffen, die negative, nicht umkehrbare Folgen schon in naher Zukunft haben können.

  2. Ganz zu schweigen von riesigen Solarfeldern, die schon allein durch die Reflexion die Umgebung stark erhitzen und so zur Austrocknung von Böden führen.

Comments are closed.