Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel. Doch nur wenigen wird bewusst, wie viel Verantwortung, Aufwand und Haftung mit der Versorgung verbunden sind. Die Nachfolgenden Zeilen sollen aufklären, warum Wasserpreise steigen, welche Aufgaben die Betreiber übernehmen müssen und welche Folgen unser Umgang mit Wasser für Grundwasser, Umwelt und Versorgungssicherheit hat.
„Jedes Jahr, wenn die Jahresabrechnungen über den Wasserverbrauch versendet werden, wird Kritik an den hohen Preisen laut. Dabei ist das aus Brunnen gepumpte Wasser das wichtigste Nahrungsmittel. Ein Kostenfaktor des Wasserpreises sind die Pump- und Wasserbehälterkosten. Ein weiterer Faktor ist die Unterhaltung und Erweiterung des umfangreichen Rohrleitungsnetzes mit allen Absperreinrichtungen, Pumpen, Zählern sowie die ständige Überwachung und Gesundheitskontrolle. Schließlich ist Trinkwasser aus Brunnen das wertvollste Lebensmittel in der Nahrungskette des Menschen. Die einst im Kirner Land geschaffenen Wasserverteilungsnetze wurden über die Jahre immer wieder durch Neubaugebiete erweitert. Alte Rohrleitungen sind reparatur- und renovierungsbedürftig. Der Betreiber der Wasserbeschaffungs- und Verteilanlagen ist gemäß § 823 BGB für den Schutz und die Sicherheit des Trinkwassers verantwortlich.
Aus dem Haftungsrecht der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) ergeben sich zudem Verkehrssicherungspflichten nach § 823 BGB. Die TrinkwV als öffentlich-rechtliche Norm regelt auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes die Qualität des Trinkwassers und dient dem Schutz der menschlichen Gesundheit. Daran haben sich alle Hausbesitzer und Nutzer von Trinkwasser zu halten. Eine der bekanntesten Gefahren durch Wasser sind Legionellen. Durch das umfangreiche Wasserversorgungssystem sind mittelbare und unmittelbare gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht auszuschließen. Daher gilt das oberste Gebot: die einwandfreie Trinkwasserbeschaffenheit sicherzustellen. Dazu gehört die Überwachung der Wassertemperatur (max. 20 °C am Hausanschluss), Wasserströmung und der Wassertausch.
Aus § 823 BGB Abs. 1 ergibt sich, dass derjenige, der eine Gefahrenquelle schafft, verpflichtet ist, Vorkehrungen zu treffen, um Schädigungen Dritter möglichst zu verhindern. Gebäudewasserversorgungsanlagen – in Wohnhäusern, Mehrfamilienhäusern und großen Gebäuden – stellen potenzielle Gefahrenquellen dar. Betreiber müssen formale Vorschriften beachten. Aus der Rechtsprechung zu Legionellen-Vorkommnissen bei Außerachtlassung der TrinkwV sind Entscheidungen des BGH bekannt, die bei Pflichtverletzungen angewendet werden. Der Wasserverbrauch steigt von Jahr zu Jahr – sowohl durch höheren Verbrauch als auch durch neue Baugebiete. Gleichzeitig sinken die Rückbildungsraten von Wasser aus Niederschlägen. Verdichtete Flächen und Versiegelung verhindern ein gleichmäßiges Eindringen in den Boden. Das bekannte Sterben der Bäume trocknet erst das Wurzelwerk, dann die Waldböden aus. Der Grundwasserspiegel sinkt weiter. Einst gab es im Ortskern der Gemeinde Oberhausen zahlreiche Brunnen. Die zentrale Wasserversorgung wurde erst Anfang der 1950er Jahre eingeführt. Die vielen Brunnen belegen, dass der Boden früher sehr wasserreich war.
Ursache ist die Bodenbeschaffenheit mit weit verzweigter Kapillarführung. Oberhausen hat ein Feuchtraumbiotop, und nach Kirn fließt noch immer ein Bach. Durch die Erschließung von Bauland in den letzten 40 Jahren hat sich die Landschaft verändert: Die wasserführenden Kapillaren sind gekappt, der Grundwasserstand gesunken, die Brunnen ausgetrocknet. Solange der Mensch seinen Wasserverbrauch nicht reduziert, sinkt der Grundwasserspiegel weiter. Böden in Wald, Feld und Wiesen trocknen aus, die Landschaft verändert sich. Der Wasserpreis steigt, weil Beschaffung und Verteilung immer teurer werden. Das Rohrleitungssystem im Erdreich und in Gebäuden wird reparaturanfälliger. Ein Schwimmbecken mit Trinkwasser zu füllen ist unter diesen Bedingungen nicht mehr vertretbar. Einst galt der Wasserpreis in Kirn als politischer Preis, der möglichst niedrig gehalten wurde. Heute ist das nicht mehr möglich. Wann wird der Wert des Wassers wirklich erkannt?
Paul-Gerhard Wagner
55606 Oberhausen bei Kirn




