Post von den VG-Werken sorgt derzeit in vielen Haushalten und Betrieben für Aufmerksamkeit – und nicht selten auch für Schweißausbrüche bis hin zu Panikattacken. Zahlreiche Empfänger haben neue Bescheide über die Festsetzung ihrer Vorauszahlungen erhalten und stellen fest: Die monatlichen Abschläge steigen teils deutlich. Die Schreiben sind umfangreich, die Aufstellungen komplex. Für viele ist auf den ersten Blick kaum nachvollziehbar, wie sich die neuen Beträge zusammensetzen. Unter dem Strich bleibt es bei einer Anpassung von bisweilen 30 Prozent oder mehr. Entsprechend wächst der Wunsch nach einer verständlichen Erklärung. Fest steht: Viele Verbraucher und Unternehmen müssen sich auf deutlich höhere Kosten im Bereich Wasser und Abwasser einstellen. Hintergrund sind umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur innerhalb der Verbandsgemeinde Kirner Land. Das Wasser- und Abwassernetz gilt vielerorts als sanierungsbedürftig. Rohre, Leitungen und Anlagen müssen erneuert werden – Maßnahmen, die mit erheblichen finanziellen Aufwendungen verbunden sind.
Dass die Gebühren nun so stark steigen, hat jedoch auch eine Vorgeschichte. Der Werkleiter der VG-Werke, Jochen Stumm, hatte dies bereits vor einem Jahr offen angesprochen. Im Zuge seiner sogenannten „Entschuldigungstour“ äußerte er beim Auftakttermin in Bärenbach deutliche Kritik an der Vergangenheit. Er warf der Verbandsgemeinde fehlende Expertise und mangelnde Weitsicht vor. Über Jahre habe man sich vor allem darauf konzentriert, die Gebühren niedrig zu halten, anstatt rechtzeitig und konsequent in die Infrastruktur zu investieren. Nach diesem ersten Termin wiederholte Stumm diese Vorwürfe öffentlich allerdings nicht mehr. Offenbar hatte man ihn eingenordet.Heute zeigt sich die Konsequenz dieser Entwicklung. Das Netz wurde vielerorts über Jahre hinweg nur unzureichend erneuert, der Investitionsbedarf ist entsprechend groß. Eine schrittweise Anpassung der Gebühren scheint unter diesen Umständen kaum noch möglich.
Stattdessen kommt es nun zu spürbaren und schnellen Erhöhungen. Für zusätzlichen Gesprächsstoff könnte sorgen, dass noch nicht alle Rechnungen auf dem Tisch liegen. Aus vergangenen Jahren stehen teilweise noch abschließende Bescheide aus. Sollten diese nachträglich zugestellt werden, könnten auch sie bei vielen Verbrauchern für unangenehme Überraschungen sorgen. Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Wenn eine Verwaltung bei Abrechnungen um Jahre hinterherhinkt, verliert sie zwangsläufig den direkten Bezug zur aktuellen Verbrauchssituation der Bürger. Für viele Empfänger wird es dann zunehmend schwierig nachzuvollziehen, wofür sie eigentlich zahlen – und was die einzelnen Bescheide im Detail bedeuten.
Die Folge ist ein wachsender Erklärungsbedarf – und bei manchen auch das Gefühl, den Überblick über die eigenen Gebühren längst verloren zu haben. Den Überblick scheinen allerdings auch die VG-Werke selbst verloren zu haben. Am Kreisel wird inzwischen mit externen Dienstleistern versucht, das aufgelaufene Chaos abzuarbeiten. Doch auch diese kosten viel Geld. Überhaupt dürfte das gesamte Hin und Her der vergangenen Jahre enorme Summen verschlungen haben – am Ende wohl deutlich zu viel. Und wer zahlt die Rechnung? Am Ende wieder die Verbraucher. Es bleibt für viele Betroffene vor allem eines: Redebedarf. Deshalb unser kleiner Vorschlag: Wer Lust hat, kann seine Abschlagsbescheide – vorher und nachher – in die Kommentare schreiben. So entsteht quasi eine Selbsthilfegruppe für Gebührenzahler: gemeinsam analysieren, vergleichen, sich austauschen und feststellen, dass man mit Schweißausbrüchen und Herzklopfen beim Öffnen der Post von den VG-Werken nicht allein dasteht.




