Am Ende wird einer von beiden das Direktmandat holen: Denis Alt (SPD) oder Katharina Gräff (CDU). Das ist die nüchterne Realität im Wahlkreis 18. Und genau deshalb hätte dieser Abend der große Zweikampf unter allen Kandidaten markieren müssen. Vorweg: Es war ein ungleiches Duell – hier der politische Profi, dort die Newcomerin, die an solchen Formaten gewiss wachsen wird. Es hätte Gräffs Abend werden können. Wurde es aber nicht. Der Ball lag auf dem Punkt. Doch der Elfmeter ging nicht ins Netz. Über weite Strecken wirkte sie nervös und in der Sache nicht immer sattelfest – vor allem bei den Themen, die den Menschen unter den Nägeln brennen: Gesundheitsversorgung, Krankenhausstandorte, Infrastruktur. Sie schöpfte ihre Redezeit häufig nicht aus und blieb damit unter ihren Möglichkeiten. In der Schlussrunde nutzte sie nur rund eine Minute, um für sich und ihre Positionen zu werben – obwohl die doppelte Zeit zur Verfügung stand. Wer gewinnen will, darf die Bühne nicht freiwillig verlassen. Man muss als Herausforderin klare Kante zeigen und auch mal angreifen.
Ihr Schwerpunkt lag sichtbar auf Bildung und Förderpolitik. Förderprogramme in der bisherigen Form abschaffen und stattdessen die Kommunen finanziell besser ausstatten, damit diese nicht ständig Anträge stellen müssen – das war ein Punkt. Ein nachvollziehbarer sogar: weniger Bürokratie, mehr direkte Mittel. Doch insgesamt versäumte sie es, klare Unterschiede zu Alt herauszuarbeiten. Konnte sie nicht – oder wollte sie nicht? Gerade bei Gesundheitsversorgung und Infrastruktur hätte sie sich deutlicher abgrenzen müssen. Dass nicht nur Anlieger Straßen nutzen und deshalb das Land stärker in der Finanzierung stehen müsse – richtig. Aber dass andere Bundesländer die Beiträge längst abgeschafft haben und das Modell funktioniert, erwähnte sie nicht. Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, die Argumentation von Alt, der Beiträge weiterhin befürwortet, weil sonst nicht saniert werde, zu durchbrechen. So blieb es bei richtigen Ansätzen – aber ohne die nötige Schärfe. Und in einem Duell zwischen Amtsbonus und Aufbruch reicht das nicht.
Auch in der Krankenhausfrage blieb sie deutlich zu zurückhaltend. Unter welcher Regierung gerieten die Standorte Kirn und Meisenheim ins Wanken? Wer trägt politische Verantwortung für das jahrelange Zögern? Und warum unterstützt das Land die Häuser nicht ausreichend finanziell? Diese naheliegenden Fragen stellte sie ihrem Konkurrenten nicht. Als Alt für den Erhalt und die finanzielle Ausstattung aller Krankenhäuser in der Region plädierte, blieb der Widerspruch aus. Keine Nachfrage, kein Konter, kein Angriff. Dabei hatte sie in der Schlussrunde sogar noch eine Minute Redezeit übrig – genug Zeit, um ihn in genau diesem Punkt deutlich zu stellen. So erlebte Alt einen insgesamt entspannten Abend. Er musste nicht kämpfen, wurde nicht getrieben – weder bei der Gesundheitsversorgung noch bei Energie- oder Wirtschaftsthemen. Der Themenblock Wirtschaft begann mit der simplen Frage: „Läuft die Wirtschaft in dieser Region?“ Doch anstatt sich mit dieser Kernfrage auseinanderzusetzen, verloren sich die Kandidaten rasch in allgemeinen Hinweisen auf Bürokratie, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Den Oberbegriff wirklich zu beantworten, vermied man.
Auch das ist eine politische Kunst. Zurück zu Alt: Er konnte sein Programm abspulen, ohne ernsthaft unter Druck zu geraten. Das macht ihn an diesem Abend nicht automatisch zum Sieger – aber es ließ ihn souverän erscheinen. Gräffs Auftritt war ausbaufähig. Vielleicht fehlt ihr die Erfahrung, vielleicht die letzte Schärfe in der Vorbereitung. Dass ihre politische Förderin Bettina Dickes sie nicht noch sichtbarer auf die Themenblöcke eingestellt hatte, überraschte. Für Gräff und die CDU wäre an diesem Abend deutlich mehr möglich gewesen. Und dennoch: Alt ist deshalb noch lange nicht durch. Die SPD hat im Wahlkreis zuletzt nicht überzeugt – und das strahlt auch auf ihren Direktkandidaten aus. Alt steht für ein „Weiter so“. Doch viele Wählerinnen und Wähler sehnen sich nach einem Wechsel. Die CDU liegt in den Umfragen vorn, sodass Gräff weiter hoffen darf. Es bleibt spannend. Wer am Ende das Direktmandat erringt, entscheidet sich nicht an einem einzelnen Abend. Gräff hat noch einige Wochen Zeit, um an Profil zu gewinnen und klarer Konturen zu zeigen. Aber eines steht fest: Wenn es ein Duell sein sollte, dann war es an diesem Abend eines ohne echte Attacken. Und wer gewinnen will, muss mehr tun, als nur auf dem Platz zu stehen.




