Ein Beitrag in unserer Rubrik „Augenzwinkern: Der Blick nach Kirn wirft ein interessantes Licht auf die Debatte, die zuletzt Bad Sobernheim beschäftigt hat. Dort veröffentlichte Stadtbürgermeister Frank Ensminger einen Zeitungsartikel über sich selbst und den Ausblick auf das Jahr 2026 für die Stadt – samt eigenem Kommentar darunter. Ein Vorgehen, das man in den sozialen Netzwerken täglich beobachten kann und das bislang kaum jemand ernsthaft hinterfragt hat. Die naheliegende Frage lautet nun: Muss Ensminger analog dem Amtskollegen Roland Ruegenberg ebenfalls mit einer förmlichen Mail aus Bad Kreuznach rechnen? Mit juristischem Zeigefinger, Urheberrechtshinweis und der Andeutung möglicher Konsequenzen? Wenn Maßstäbe einheitlich angelegt werden, müsste die Antwort eigentlich ja lauten. Alles andere würde den Eindruck erwecken, dass nicht das Prinzip zählt, sondern der Einzelfall – oder die Person.
Denn eines ist klar: Wer anfängt, Veröffentlichungen dieser Art herauszugreifen, begibt sich auf dünnes Eis. Sehr dünnes. In den sozialen Medien wimmelt es von geteilten Artikeln, Screenshots und Kommentierungen durch Amtsträger, Vereine und Privatpersonen. Wird hier selektiv eingeschritten, wirkt das schnell kleinlich und inkonsequent. Vielleicht hat Ensminger Glück. In seinem Beitrag zur Rettungswache verzichtete er darauf, den Öffentlichen Anzeiger offen zu kritisieren oder gar zu belehren. Möglicherweise stimmt das die Redaktion milde. Vielleicht bleibt die erwartbare Depesche aus Bad Kreuznach ja diesmal in der Schublade. Wir wissen es nicht.
Doch genau darin liegt das Problem: Recht sollte nicht von Sympathie, Tonlage oder Wohlverhalten abhängen. Wenn kommunale Kommunikation und Pressearbeit anfangen, sich gegenseitig mit juristischen Drohkulissen zu taxieren, verlieren alle Beteiligten an Glaubwürdigkeit. Und die Bürgerinnen und Bürger verlieren den Blick auf das Wesentliche. Die Städte an der Nahe haben andere Themen als Facebook-Posts und Urheberrechtsdebatten. Einheitliche Maßstäbe, Augenmaß und ein bisschen Gelassenheit wären hilfreicher als selektive Empörung. Alles andere wirkt schnell wie Nebelkerzenwerfen – und davon hat die Region wahrlich genug.



