Über den Tellerrand heinausgeschaut: Rheinland-Pfalz schreibt Verwaltungsgeschichte: Spitzenbeamte durften jahrelang „Sonderurlaub“ nehmen, um in der freien Wirtschaft richtig Geld zu verdienen – und kamen pensionstechnisch trotzdem voll auf ihre Kosten. In einem besonders sportlichen Fall dauerte der Urlaub fast zwölf Jahre. Zwölf. Jahre. Während Lehrer und Polizisten beim Wechsel in die Wirtschaft brav ihren Beamtenstatus abgeben, galt für Staatssekretäre offenbar das Motto: Warum entscheiden, wenn man beides haben kann? Managergehalt hier, Beamtenpension dort – Vorteile aus zwei Welten, finanziert von einer dritten: dem Steuerzahler. Bahnt sich in Mainz ein Polit-Skandal an? Maybe?
Jetzt schaltet sich die Staatsanwaltschaft Mainz ein und prüft den Verdacht der Untreue. Heißt übersetzt: War das noch Recht oder schon raffinierte Selbstbedienung? Ein Gutachten sagt: problematisch. Ein anderes sagt: alles fein. Juristen streiten, Bürger schütteln den Kopf. Besonders blöd nur: Das Thema poppt ausgerechnet im Wahlkampf auf. Welch unglücklicher Zufall! Da wollte man eigentlich über soziale Gerechtigkeit reden – und nun über Luxus-Sonderurlaub für Spitzenbeamte. Die SPD-geführte Landesregierung verweist auf Paragraphen. Der Wähler fragt sich: Was erlaubt sich die SPD eigentlich? Und was meinen unsere Landesvertreter zu dieser offenbar gängigen Praxis? Wahrscheinlich hört man da nix. Wer so kreativ mit Steuergeld umgeht, darf sich nicht wundern, wenn am Ende nicht Beifall, sondern die staatsanwaltliche Lupe wartet und das ihn der Wähler abstraft.



