Man wusste etwas, hat es dokumentiert, eingeordnet, beschildert – und dann offenbar darauf vertraut, dass es nie praktische Bedeutung erlangen würde. Jetzt brennt der Wald. Und der Boden macht gelegentlich Geräusche, die man freundlich als „Explosionen“ beschreibt. Das Gebiet ist Naturschutzgebiet. Das klingt nach unberührter Natur. Gleichzeitig handelt es sich um einen historisch belasteten Raum, in dem nach Angaben aus Fachzusammenhängen beziehungsweise historischen Bewertungen Kampfmittel oder Munitionsreste nicht ausgeschlossen werden können. Ein sogenanntes „Restrisiko“ – ein Begriff, der häufig dann verwendet wird, wenn eine bekannte Gefahrenlage zwar erfasst ist, aber nicht vollständig beseitigt wurde. Damit stellen sich zwangsläufig Fragen:
Wie kam es dazu, dass in einem heutigen Naturschutzgebiet eine solche Altlastenproblematik bestehen kann? Warum erfolgte keine vollständige Räumung? Wie war die Gefahrenlage dokumentiert – und auf welcher Ebene war sie tatsächlich bekannt? Und welche Rolle spielte dieses Wissen bei Planungen in der Umgebung, etwa im Hinblick auf öffentliche Einrichtungen wie den nahegelegenen Walddorfkindergarten? Eine politische Einordnung dazu gab Landrätin Bettina Dickes im Zusammenhang mit der Berichterstattung. Während sie zuvor im SWR-Interview bereits sagte: „Bei mir auf dem Schreibtisch war das nicht, aber es war irgendwo bekannt“, ergänzte sie gegenüber dem Öffentlichen Anzeiger:
„Dass allerdings im Boden Munition schlummert, davon habe sie nichts gewusst.“
Gerade diese beiden Aussagen nebeneinander zeigen die typische Spannung solcher Fälle: Informationen können in unterschiedlichen Verwaltungsebenen vorhanden sein, ohne dass sie zwangsläufig in der politischen Entscheidungssphäre ankommen. „Irgendwo bekannt“ beschreibt dabei ein Muster, das in komplexen Verwaltungsstrukturen nicht ungewöhnlich ist: Wissen existiert in Akten, Fachstellen oder historischen Bewertungen, erreicht aber nicht zwingend die Stelle, an der konkrete Verantwortung gebündelt wird. Ob dies im konkreten Fall entscheidend war, wird Gegenstand weiterer Aufarbeitung sein. Der Eindruck bleibt jedoch, dass vorhandene Informationen und politische Entscheidungswege nicht vollständig zusammengeführt wurden.
Über Jahre scheint ein fragiles Gleichgewicht bestanden zu haben: Die Natur konnte sich entwickeln, während historische Altlasten unter der Oberfläche verblieben. Erst der aktuelle Waldbrand macht sichtbar, dass diese Vergangenheit praktische Folgen haben kann. Einsatzkräfte berichten von erheblichen Einschränkungen bei der Brandbekämpfung durch mögliche Kampfmittel im Boden. Am Ende bleibt eine unbequeme Feststellung: Entscheidend ist nicht nur, was irgendwo bekannt ist, sondern ob dieses Wissen tatsächlich dort ankommt, wo Verantwortung getragen und Entscheidungen getroffen werden.





In Deutschland liegen noch bis zu 300.000 Tonnen Kriegsmunition im Boden!! Es ist unmöglich hier alles konsequent abzusuchen und zu räumen!! Das würde Hunderte Milliarden Euro kosten. So beschränkt man sich auf Untersuchungen vor zu erwartenden Baumaßnahmen und Zufallsfunde!!
Es gibt auch kein flächendeckendes Kataster wo im einzelnen Munition „entsorgt“ wurde nach dem Krieg!!
Bei dem Gebiet rund um den Rotenfels war allerdings bekannt das dort Munition von den Alliierten und deutschen Behörden in den späten 40er Jahren vernichtet wurde und Reste immer noch im Boden schlummern!!
Hier wird es auch wieder am Geld und dem schwierigen Gelände gelegen haben zufriedenstellende Maßnahmen zu ergreifen!!