Es ist wieder so weit: Der Wirtschaftsplan der VG-Werke wurde beschlossen. Einstimmig? Überzeugt? Mit Blick auf klare Zahlen und belastbare Grundlagen? Natürlich nicht. Zugestimmt wurde – wie so oft – mit zusammengebissenen Zähnen, hochgezogenen Augenbrauen und dem festen Vorsatz, beim nächsten Mal wirklich kritischer zu sein. Nur die AfD verweigerte sich komplett. Der Elefant im Raum bleibt dabei derselbe wie in den Vorjahren: geprüfte Jahresabschlüsse sind Mangelware. Die gibt es seit 2021 nicht mehr. Der letzte testierte Abschluss stammt also aus einer Zeit, in der man sich noch an ein Leben ohne Kriege, Krisen, Kostenexplosionen und Dauerprovisorien erinnern konnte. Seitdem wird geplant, gerechnet und beschlossen auf Basis von Annahmen, Hoffnungen und der stillen Bitte, dass schon alles irgendwie stimmen möge.
Für ein kommunales Versorgungsunternehmen ist das kein Abenteuerroman, sondern schlicht fahrlässig. Doch statt belastbarer Zahlen gibt es Zusagen. Jahr für Jahr wird versichert, dass die Abschlüsse nun endlich aufgearbeitet werden und bald vorliegen. Diese wiederholten Versprechen haben inzwischen etwas Ritualhaftes: Man weiß genau, was man bekommt – leider keine geprüften Zahlen. Werkleiter Jochen Stumm nahm die Kritik der Fraktionssprecher wortlos zur Kenntnis. Vorwürfe prallen an ihm ab wie an einer Teflon-Pfanne – aus Erfahrung und Routine. Auch das gehört inzwischen zur festen Dramaturgie dieser Sitzungen.
Trotzdem wurde zugestimmt. Nicht, weil der Wirtschaftsplan überzeugt hätte, sondern weil das Gegenteil noch unbequemer gewesen wäre. Ein klassischer Fall von „Augen zu und durch“. Denn niemand möchte derjenige sein, der dringend notwendige Investitionen in Wasser- und Abwasserinfrastruktur blockiert. Dass diese Investitionen nötig sind, steht außer Frage – dass ihre finanzielle Grundlage im Nebel liegt, offenbar auch. Selbst Gebührenerhöhungen werden in diesem Kontext fast schon zur Randnotiz. Sie sind sachlich begründbar, notwendig und vermutlich nicht die letzten. Die Bürgerinnen und Bürger zahlen also mehr – in der Hoffnung, dass irgendwo im Hintergrund jemand den Überblick hat. Ob diese Hoffnung berechtigt ist, bleibt offen. Belege dafür gibt es bislang keine.
Was bleibt, ist eine Zustimmung mit Verfallsdatum. Fraktionsübergreifend wurde deutlich gemacht, dass dieser Vertrauensvorschuss aufgebraucht ist. Noch einmal auf Zuruf entscheiden, noch einmal „wir arbeiten daran“ akzeptieren, noch einmal Planung ohne Fundament – das wird kaum jemand mittragen wollen. Der Beschluss zum Wirtschaftsplan ist daher weniger ein politischer Erfolg als ein dokumentiertes Unbehagen. Er steht stellvertretend für eine Gremienmehrheit, die Verantwortung übernimmt, obwohl ihr die notwendigen Werkzeuge fehlen. Satirisch betrachtet könnte man sagen: Die VG-Werke funktionieren erstaunlich gut – dafür, dass niemand so genau weiß, wie.




