Das Wichtigste vorneweg: Die FDP hatte Fragen gestellt. Einige davon wurden beantwortet. Zwei allerdings überhaupt nicht. Dabei hatte die FDP-Fraktion im Verbandsgemeinderat einen durchaus umfangreichen Fragenkatalog zum neuen Sicherheitskonzept vorgelegt. Wie funktionieren die gemeinsamen Streifen von Polizei und Ordnungsamt? Wie viel Personal wird eingesetzt? Hat sich das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung verändert? Was sagen die Zahlen? Und natürlich auch die Frage, die inzwischen in vielen Städten diskutiert wird: Warum wird eine Ausweitung der Videoüberwachung in Kirn weiterhin stievmütterlich behandelt? Dazu waren der stellvertretende Revierleiter der Polizeiinspektion Kirn und ein Vertreter des Ordnungsamtes in der Sitzung.
Und was soll man sagen: Die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Ordnungsamt ist offenbar bestens. Da passt, so wurde mehrfach betont, im Innenverhältnis kein Blatt Papier dazwischen. Atmosphärisch also alles top. Aber reicht das? Zumindest die Kriminalitätsstatistik liefert ein ziemlich überzeugendes Argument. Seit Beginn der gemeinsamen Streifen von Polizei und Ordnungsamt ist die sogenannte Straßenkriminalität im Kirner Land deutlich zurückgegangen. Waren es 2024 noch 184 Straftaten, wurden 2025 nur noch 146 Delikte registriert. Das entspricht einem Rückgang von 22,8 Prozent. Und dabei geht es nicht nur um irgendwelche Bagatellen. Die Statistik reiche von kleineren Vandalismusdelikten bis hin zu Raub.
Auch für 2026 zeichne sich ein ähnliches Bild ab, erklärte der Polizeivertreter. Die Zahlen seien für das laufende Jahr zwar noch nicht abschließend ausgewertet, die Entwicklung im ersten Halbjahr sei aber vergleichbar. Das spricht zunächst einmal klar für die Wirkung der gemeinsamen Streifen. Nur ganz so idyllisch, wie es die Statistik vermuten lassen könnte, ist die Lage dann offenbar doch nicht. Denn auch der Polizeivertreter berichtete von aktuellen Vandalismusschäden – unter anderem an Automaten, im „Amalienpark“ und an den Toiletten gleich nebenan. Gute Zahlen sind eben das eine. Was die Menschen vor Ort erleben, ist das andere. Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Offenbar zeigt die gemeinsame Präsenz Wirkung. Wo Polizei und Ordnungsamt gemeinsam unterwegs sind, entsteht Kontrolldruck. Und der scheint zumindest einen Teil der Probleme tatsächlich zu reduzieren. Das Sicherheitskonzept funktioniert also offenbar.
Nur: Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn das Sicherheitsgefühl der Menschen lässt sich nicht einfach in eine Statistik pressen. Norbert Stibitz berichtete von Lautstärke und Vorfällen auf der „Kiesel“. Manfred Kuhn schilderte Probleme „Auf Halmen“. Dort würden sich regelmäßig größere Gruppen Jugendlicher – bis 80 Personen – treffen. Müll bleibe liegen, dazu seien offenbar auch Überbleibsel von Drogenbesteck zu finden. Und geschossen werde auch. Interessant wurde es an dieser Stelle deshalb, weil der Polizei dieser Treffpunkt offenbar bislang gar nicht bekannt war. Kuhn zeigte sich im Nachgang darüber verwundert. Schließlich habe er in dieser Angelegenheit bereits mehrfach angerufen. Der stellvertretende Revierleiter nahm den Hinweis jedenfalls dankbar auf. „Ich nehme das gerne mit“. Sein genereller Rat: Wenn Bürgerinnen und Bürger etwas beobachten, sollten sie anrufen und die Polizei informieren.
Das klingt banal. Ist aber wichtig. Denn Polizei und Ordnungsamt können eben nicht überall sein. Und damit zum nächsten Problem. Im Ordnungsamt stehen lediglich zwei Kräfte zur Verfügung. Normalerweise ist um 16 Uhr Feierabend, donnerstags geht es bis 18 Uhr. Dazu kommen natürlich noch andere Aufgaben. Bei besonderen Aktionen wird auch einmal länger gearbeitet. Aber einen dauerhaften Kontrolldruck kann man damit natürlich nicht erzeugen. Zwei Menschen können nicht gleichzeitig auf der Kiesel, am Bahnhof, „Auf Halmen“ und an zehn anderen Stellen in der Verbandsgemeinde sein. Das ist keine Kritik an den Mitarbeitern. Im Gegenteil. Es ist schlicht eine Frage der vorhandenen Ressourcen. Personalknappheit im Ordnungsmat gibt es allerdings nicht nur in Kirn. Auch die Polizei hat mit begrenzten Kräften zu kämpfen. Das Kirner Land ist damit insgesamt kein Sonderfall.
So positiv die Zahlen auch sind: Ganz zufrieden kann Thomas Bursian (FDP) mit der Sitzung trotzdem nicht sein. Denn zwei Punkte aus seinem Fragenkatalog wurden praktisch komplett ausgespart. Videoüberwachung? Keine wirkliche Antwort. Bahnhofsumfeld? Ebenfalls keine wirkliche Antwort. Gerade beim Bahnhof wäre interessant gewesen, welche konkreten Maßnahmen dort vorgesehen sind. Und bei der Videoüberwachung hätte man gerne erfahren, warum Möglichkeiten, die in anderen Städten genutzt werden, in Kirn offenbar nicht in Betracht kommen. Man kann Videoüberwachung ablehnen. Datenschutz und rechtliche Vorgaben sind schließlich keine Nebensache. Aber dann sollte man auch erklären, warum. Trotzdem sollte man die positiven Zahlen nicht kleinreden. 22,8 Prozent weniger Straßenkriminalität sind eine Hausnummer. Wenn die Entwicklung anhält, spricht einiges dafür, dass die gemeinsamen Streifen von Polizei und Ordnungsamt tatsächlich etwas bewirken.
Gleichzeitig zeigen die Wortmeldungen aus dem Rat, dass es weiterhin Probleme gibt. Und Brennpunkte gibt es überall, auch in den Dörfern. Die Kiesel, „Auf Halmen“ und das Bahnhofsumfeld verschwinden schließlich nicht aus der Welt, nur weil die Gesamtstatistik besser aussieht. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis aus dieser Sitzung: Sicherheit ist nicht nur eine Frage der Statistik. Sicherheit ist auch eine Frage der Wahrnehmung. Wenn die Zahlen besser werden, ist das gut. Wenn Bürger trotzdem das Gefühl haben, dass bestimmte Plätze aus dem Ruder laufen, muss man auch dort hinschauen. Das Sicherheitskonzept scheint zu funktionieren. Aber es muss weiterentwickelt werden. Und dazu gehört auch, die Fragen zu beantworten, die diesmal offen geblieben sind. Denn eines sollte bei aller guten Zusammenarbeit zwischen Polizei und Ordnungsamt nicht passieren: Dass man sich mit den guten Zahlen zufriedengibt und dabei die Probleme übersieht, die vor der eigenen Haustür liegen. Doch das steht nicht zu befürchten.




