„Diakonie sichert Versorgung“ – so überschreibt die Allgemeine Zeitung ihren Bericht (unten verlinkt) über die Zukunft der Diakonie-Kliniken in Bad Kreuznach und Kirn. Das klingt zunächst nach einer guten Nachricht. Nach einer Entscheidung. Nach Klarheit. Wer den Artikel allerdings aufmerksam liest, stellt schnell fest: So viel Klarheit gibt es gar nicht. Im Gegenteil. Je genauer man hinschaut, desto mehr stellt sich die Frage, was hier eigentlich konkret mitgeteilt wird. Die Diakonie kann 2027 in Bad Kreuznach „in fast allen Leistungsgruppen weiterarbeiten“, heißt es. Das klingt beruhigend. Aber was bedeutet „fast alle“? Welche Leistungsgruppen wurden zugewiesen? Welche nicht? Welche hatte die Diakonie beantragt? Welche Leistungen dürfen künftig tatsächlich noch erbracht werden? Dazu erfährt der Leser nichts. Und genau das wäre doch die eigentliche Nachricht. Denn bei der Krankenhausreform geht es nicht um wohlklingende Begriffe, sondern darum, welche medizinischen Leistungen an welchem Standort künftig noch angeboten werden dürfen. Stattdessen erfahren wir, dass der Diakonie-Vorstand die Zuweisung „positiv“ bewertet. Man sei zufrieden und könne die Versorgung auf hohem Niveau sicherstellen. Das ist die Sicht der Diakonie. Aber es ist noch keine Antwort auf die Frage, was sich für die Patienten tatsächlich verändert.
Besonders interessant wird es beim Kirner Krankenhaus. Im Vorspann heißt es: „Das Kirner Krankenhaus soll Regioklinik werden.“ Das ist eine ziemlich konkrete Aussage. Nur: Im weiteren Text wird es plötzlich weniger konkret. Da ist von einer „Perspektive als Regioklinik“ die Rede. Diese werde „erwogen“. Die nächsten Wochen und Monate wolle man nutzen, um die Perspektive gemeinsam mit den relevanten Beteiligten zu bewerten und zu besprechen. Moment mal. Soll Kirn nun Regioklinik werden – oder wird erst noch geprüft, ob und wie Kirn Regioklinik werden kann? Das sind zwei verschiedene Dinge. Und vor allem fehlt die entscheidende Information: Was ist eine Regioklinik in Kirn konkret? Was bleibt? Was fällt weg? Welche medizinischen Leistungen gibt es künftig noch? Gibt es weiterhin eine stationäre Versorgung? Wie sieht es mit der Notaufnahme aus? Welche Fachrichtungen bleiben? Welche Leistungen werden ambulant angeboten? Was passiert mit Patienten, die heute in Kirn behandelt werden und deren Behandlung dort künftig nicht mehr möglich ist? Und vor allem: Was bedeutet das für die Menschen im Raum Kirn? Auf diese Fragen gibt der Artikel keine Antwort.
Das Problem liegt dabei nicht nur bei der AZ. „Regioklinik“ ist ein politisch und gesundheitspolitisch positiv besetzter Begriff. Er klingt nach einer modernen Weiterentwicklung der Versorgung. Aber ein Etikett ist noch kein Versorgungskonzept. Wenn ein Krankenhaus von seinem bisherigen stationären Angebot zu einer Regioklinik umgebaut wird, muss man den Menschen sagen, was sie dort künftig bekommen und was sie dort nicht mehr bekommen. Genau diese Gegenüberstellung fehlt. Stattdessen wird der Begriff „Regioklinik“ praktisch als Zukunftsperspektive in den Raum gestellt. Das ist kommunikativ geschickt. Inhaltlich bleibt es dünn. Die eigentliche Nachricht steht deshalb gar nicht in diesem Artikel. Die Überschrift vermittelt: Die Versorgung ist gesichert. Der Artikel vermittelt bei genauerem Lesen eher: Die Diakonie ist mit der bisherigen Entscheidung zufrieden, einige Dinge müssen noch geprüft werden und über die konkrete Ausgestaltung von Kirn soll in den kommenden Wochen und Monaten gesprochen werden. Das ist etwas völlig anderes. Man könnte es auch so formulieren: Aus einer konkreten Überschrift wird beim Lesen eine Ansammlung von Absichtserklärungen.
Und gerade bei Kirn ist das problematisch. Denn dort geht es nicht um irgendeine abstrakte Strukturreform. Es geht um einen Krankenhausstandort, der für die Menschen in der Region über Jahrzehnte eine konkrete Funktion hatte. Wenn dieser Standort künftig etwas anderes sein soll, dann haben die Bürger ein Recht darauf zu erfahren, was dieses „etwas anderes“ sein soll. Was wissen wir also nach diesem Artikel? Bad Kreuznach kann offenbar mit einem großen Teil seines bisherigen beziehungsweise beantragten Leistungsspektrums weitermachen. Gut. Aber selbst dort bleiben wichtige Details offen. Und Kirn? Kirn soll Regioklinik werden. Was das konkret bedeutet, wissen wir nach diesem Artikel allerdings kaum besser als vorher. Das ist für mich der eigentliche Schwachpunkt des Beitrags. Es wird der Eindruck einer Entscheidung erzeugt, obwohl wesentliche Fragen offenbar noch gar nicht beantwortet sind. Vielleicht wäre deshalb eine andere Überschrift ehrlicher gewesen: „Diakonie zufrieden mit Leistungszuweisungen – Zukunft des Kirner Krankenhauses bleibt offen.“ Das wäre weniger beruhigend. Aber vermutlich näher an dem, was der Artikel tatsächlich hergibt.




