Kirner-Kerb-Sicherheitskonzept: Sicherheit oder Symbolpolitik?

Schon den Pressebericht aus der Verbandsgemeinde zum neuen Alarmierungskonzept gelesen? Da wird ein gemeinsamer Alarm- und Einsatzplan – Schwerpunkt Feuerwehr – für die Kirner Kerb in großer Expertenrunde öffentlichkeitswirksam vorgestellt – mit Alarmierungswegen, Einsatzabschnitten, Logistik, Kommunikation, Evakuierung und Krisenkommunikation. Alles klingt hochprofessionell und wird als großer Schritt für die Sicherheit der Besucher präsentiert. Doch unweigerlich stellt sich eine Frage: Was hat man eigentlich die ganzen vergangenen Jahrzehnte versäumt? Wie konnte die Kirner Kerb überhaupt stattfinden, obwohl es einen solchen öffentlich präsentierten Alarm- und Einsatzplan offenbar noch nicht gab?

Die Kerb ist schließlich keine neue Veranstaltung. Seit Generationen strömen Jahr für Jahr tausende Besucher nach Kirn – zeitweise sogar deutlich mehr als heute. Auch damals waren Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Hilfsorganisationen im Einsatz. Auch damals gab es Alarmierungswege, Einsatzleitungen und eingespielte Abläufe. Jeder wusste es ist Kirner Kerb und die Aufgaben sind klar verteilt. Andernfalls hätte man die Veranstaltung wohl kaum verantworten können. Natürlich ist es richtig, Konzepte regelmäßig zu überprüfen, zu dokumentieren und weiterzuentwickeln. Niemand wird bestreiten, dass sich Anforderungen verändern und Sicherheitsstandards angepasst werden müssen. Genau das ist Aufgabe der Verantwortlichen.

Die Frage ist allerdings eine andere: Handelt es sich hier tatsächlich um einen wichtigen neuen Baustein für die Sicherheit – oder wird etwas, das im Grunde längst selbstverständlich ist, als große Neuerung inszeniert? Anders gefragt: Ist das echte Weiterentwicklung oder eher Selbstzweck, Show und ein wenig Aktionismus? Sicherheit entsteht jedenfalls nicht durch Pressemitteilungen oder wohlklingende Überschriften. Sie entsteht durch erfahrene Einsatzkräfte, klare Entscheidungen und das reibungslose Zusammenspiel aller Beteiligten. Genau das hat bei der Kirner Kerb über Jahrzehnte gut funktioniert – lange bevor ein gemeinsamer Alarm- und Einsatzplan öffentlich vorgestellt wurde. Vielleicht ist der Plan tatsächlich eine sinnvolle Weiterentwicklung. Vielleicht ist er aber auch nur ein weiteres Beispiel dafür, dass heute vieles zunächst medienwirksam präsentiert werden muss, bevor es als Leistung wahrgenommen wird. Die Leser mögen selbst entscheiden, welcher Eindruck am Ende überwiegt.

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