Die Frau der Woche – Bettina Dickes und die große Schlussmacherei

Es gibt Menschen, die verbinden mit ihrem Amt vor allem den Wunsch, etwas aufzubauen, zu bewahren und voranzubringen. Und dann gibt es Bettina Dickes. Die Landrätin des Kreises Bad Kreuznach scheint eine eigene Definition von Bürgernähe entwickelt zu haben: Man kommt den Bürgern besonders nahe, wenn man ihnen die nächste Hiobsbotschaft möglichst früh präsentiert – oder sie zunächst einmal aus der Zeitung erfahren lässt. In Kirn richtet sich ihr Blick nun offenbar auch auf die Zukunft einer Realschule. Sinkende Schülerzahlen werden dabei als Grund genannt, die Schule zumindest perspektivisch infrage zu stellen. Natürlich kann niemand demografische Entwicklungen ignorieren. Und selbstverständlich muss eine Schule auf ihre langfristige Auslastung und ihre Zukunftsfähigkeit geprüft werden.

Doch sinkende Schülerzahlen sind kein Naturgesetz, das automatisch den Schlüssel zur Schulschließung liefert. Eine Schule ist schließlich mehr als eine Zahl in einer Statistik. Sie ist Teil der Infrastruktur einer Stadt, ein wichtiger Bildungsstandort und für Familien ein entscheidender Faktor bei der Frage, ob eine Region lebenswert und zukunftsfähig ist. Besonders bemerkenswert ist deshalb die Kommunikation. Bürgermeister Frank Ensminger soll von den Überlegungen zur Schule aus der Zeitung erfahren haben. Ein schönes Zeichen moderner Beteiligung: Erst lesen, dann staunen, anschließend miteinander reden. Man könnte es auch „Bürgerbeteiligung im Nachgang“ nennen.

Gerade bei einer Schule wäre ein anderes Vorgehen wünschenswert. Bevor über ihr mögliches Ende gesprochen wird, sollte zunächst darüber gesprochen werden, wie ihr Standort langfristig gesichert werden kann. Welche pädagogischen Konzepte wären denkbar? Welche Kooperationen könnten helfen? Gibt es Möglichkeiten, den Standort für Familien und Schülerinnen und Schüler attraktiver zu machen? Und welche Bedeutung hat die Schule für die Entwicklung der gesamten Region? Eine Landrätin kann nicht jede Schule allein retten. Aber sie kann eine politische Haltung zeigen: Wir suchen zuerst gemeinsam nach Lösungen, bevor wir über das Ende einer Einrichtung sprechen. Vielleicht wäre deshalb eine andere Schlagzeile für Bettina Dickes einmal wünschenswert: „Wir haben gemeinsam eine Lösung gefunden und die Schule für Kirn gesichert.“ Das wäre eine Nachricht, von der Bürgermeister, Eltern, Schülerinnen und Schüler und die gesamte Region sicher gerne vorher erfahren würden.

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