Bitte vormerken: Am Sonntag, den 28. Juni 2026, wird die Innenstadt von Kirn wieder zur großen Bühne des gepflegten Stadtlebens – oder, moderner gesagt: zur multifunktionalen Erlebnis-, Einkaufs- und Hüpfzone zwischen 11:00 und 18:00 Uhr. Dazu passend öffnet der Einzelhandel beim verkaufsoffenen Sonntag von 12:00 bis 17:00 Uhr seine Türen – schließlich will man ja nicht nur erleben, sondern idealerweise auch gleich erwerben. Wer erinnert sich nicht noch gerne an die Hochzeiten der Kirner Innenstadtfeste in den 1980er-Jahren. Damals war alles größer, lauter, irgendwie einfacher – und das Wort „Konzept“ vermutlich noch kein Pflichtbestandteil jeder zweiten Ausschusssitzung. Heute ist das natürlich anders. Die Neuauflage hat mit dem damaligen Innenstadtfest nur noch ungefähr so viel zu tun wie ein Escape-Room mit einem Spaziergang: beides findet irgendwie statt, aber nur eines davon lässt sich wirklich „durchplanen“.
Und weil man in Kirn bekanntlich nichts dem Zufall überlässt – außer vielleicht das Wetter – wurde das Innenstadtfest auch gleich noch mit einer klaren Zusatzlogik ins Leben gerufen: Wenn schon geöffnet ist, dann richtig. Der verkaufsoffene Sonntag braucht schließlich eine Bühne, und das Fest liefert sie gleich mit. Praktisch gedacht: erst spielen, dann shoppen, oder umgekehrt, oder beides gleichzeitig – je nach innerer Balance zwischen Erlebnisdrang und Einkaufszettel. Im Zentrum steht ein breit gefächertes Angebot aus Spiel, Sport und digitalem Staunen. Und damit das Ganze nicht nach Selbstbau-Charme aussieht, übernimmt eine spezialisierte Event-Agentur die komplette Inszenierung – bezahlt aus dem Fördertopf „Innenstadtimpulse“ des Landes Rheinland-Pfalz. Die Stadt nutzt diese Mittel damit erstmals konsequent für das, wofür sie gedacht sind: die Innenstadt zu beleben. Oder anders gesagt: Bewegung reinbringen, damit es draußen nicht zu ruhig wird.
Für die Besucher bedeutet das ein Programm, das irgendwo zwischen Jahrmarkt, Zukunftslabor und Bewegungsparcours angesiedelt ist. Da wäre zum Beispiel Street-Tennis, Fußball-Dart oder das Fußballrad mit Torwand-Design – für alle, die schon immer wissen wollten, wie sich Leistungssport anfühlt, wenn niemand wirklich Profi ist. Das Fußballradar misst dazu die Schussgeschwindigkeit, was die ehrliche Frage aufwirft, ob man danach stolz oder demütig nach Hause geht. Etwas weiter in der Zukunft: der VR SPACE-Simulator mit 360°-Erlebniswelt. Endlich mal raus aus der Innenstadt, ohne sie zu verlassen. Dazu das EXIT-Escape-Room-Mobil – für alle, die ohnehin schon immer das Gefühl hatten, der Alltag sei ein Rätsel mit zu wenig Zeitlimit.
Für die jüngeren Gäste bleibt es klassisch kreativ: Spiel-Rutsche im Clown-Design, „Jungle Track“-Hindernisbahn, XXL-Tischkicker und nostalgische Wurfstände, bei denen man wenigstens weiß, dass die Regeln noch aus einer Zeit stammen, in der man Dinge einfach ausprobiert hat, ohne sie zu „evaluieren“. Auch die DLRG ist dabei und erklärt mit dem Rettungsball-Werfen, dass man Lebensrettung durchaus spielerisch vermitteln kann – eine Idee, die irgendwo zwischen sinnvoll und sehr deutsch gut funktioniert. Dazu Musik, Essen, Getränke und eine Innenstadt, die für einen Tag so tut, als wäre sie genau dafür gebaut worden: Menschen zu halten, statt sie nur durchzuschleusen. Unterm Strich bleibt ein Innenstadtfest, das weniger an die Vergangenheit erinnert, sondern eher an eine gut organisierte Gegenwart mit Fördertopf, Konzeptpapier und ausreichend Attraktionen, damit niemand auf die Idee kommt, es sei einfach nur ein Sonntag mit geöffneten Läden.




