Manchmal erinnert Kommunalpolitik an die berühmte Frage: „Warum einfach, wenn es auch erst nach fünf Jahren geht?“ Die aktuelle Beschlussvorlage zu Top 3 der VG-Ratssitzung am 18. Juni („Ergänzende Vereinbarung zur Fusionsfolgevereinbarung – Unterbringung der Verbandsgemeindewerke – Umzug in das Nebengebäude“) erklärt, dass die Verbandsgemeindewerke künftig aus dem Gebäude „Altstadt 1“ (Kreiselhaus) ausziehen und in ein Nebengebäude der Verbandsgemeinde umziehen sollen. Begründet wird dies damit, dass die bisherige Unterbringung nur als Übergangslösung gedacht war und die ursprünglich vorgesehene Unterbringung im Rathaus nicht möglich sei, weil dort schlicht zu wenig Platz vorhanden ist.
Eine bemerkenswerte Erkenntnis. Denn das Rathaus steht nicht erst seit gestern an seinem Platz. Seine Größe war bereits 2021 bekannt. Auch die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verbandsgemeindewerke kam nicht überraschend über Nacht vom Himmel gefallen. Trotzdem hat es offenbar mehrere Jahre gedauert, um festzustellen, dass man nicht mehr Menschen in ein Gebäude hineinbekommt, als Räume vorhanden sind. Man könnte fast meinen, die Verantwortlichen hätten gehofft, das Rathaus würde während der Fusionsjahre noch unbemerkt wachsen. Vielleicht durch kommunale Photosynthese. Oder man setzte darauf, dass sich Büroflächen ähnlich wie Hefeteig von selbst vermehren.
Nun wird die neue Lösung als „sachgerechte Anpassung an die tatsächlichen Gegebenheiten“ präsentiert. Übersetzt heißt das wohl: Die tatsächlichen Gegebenheiten haben sich keinen Millimeter bewegt, aber man hat sie jetzt endlich zur Kenntnis genommen. Besonders interessant ist die Aussage, dies sei keine Abweichung von den ursprünglichen Fusionszielen. Ursprünglich sollten die Verwaltungseinheiten im Rathaus konzentriert werden. Jetzt werden die Verbandsgemeindewerke dauerhaft woanders untergebracht. Das ist ungefähr so, als würde man erklären, ein Zug habe sein Ziel nicht verfehlt – er halte jetzt nur dauerhaft an einem anderen Bahnhof. Die eigentliche Frage der Vorlage lautet daher nicht, ob der Umzug sinnvoll ist. Die eigentliche Frage lautet: Warum wird erst im Jahr 2025 oder 2026 als große Erkenntnis präsentiert, was man bei realistischer Betrachtung bereits 2021 hätte wissen können? Auf diese Frage bleibt die Vorlage bemerkenswert still.




