„Versiffte“ Eisenbahn auf dem Kirner Marktplatz? AfD im Frühjahrsputz-Fieber

Schon gelesen? Am Kirner Marktplatz rückte die Alternative für Deutschland mit Putzlappen und Smartphones an – Ärmel hochgekrempelt, medienwirksam inszeniert und bereit für Social Media. Anlass war die angeblich „versiffte“ Eisenbahn auf der kleinen Spielecke neben der Eisdiele, wie Nicole Höchst in einem Facebook-Post persönlich erklärte. Ein Ort also, an dem Kinder – folgt man dieser Wortwahl – unter skandalösen Bedingungen spielen mussten. Solche eigeninitiierten Reinigungsaktionen wirken auf den ersten Blick engagiert, sind aber oft auch selbstreferenziell: ein bisschen fegen, ein bisschen wischen – und schon ist die demonstrierte Hilfsbereitschaft öffentlich dokumentiert. In diesem Fall scheint es jedoch weniger um die tatsächliche Verbesserung vor Ort zu gehen als um die erzielte Wirkung. Denn wer Bilder postet, Namen nennt und sichtbar macht, dass er „sieht, wo es fehlt“, erzeugt Aufmerksamkeit. Genau darin liegt die eigentliche Dynamik dieser Aktion: Sie liefert eine wirkungsvolle Mischung aus Dramatisierung („versifft“) und Inszenierung von Tatkraft („wir haben angepackt“) – sorgfältig medial aufbereitet und leicht anschlussfähig für digitale Empörung und Zustimmung zugleich.

Und die Aussage „wir haben erst begonnen“ “ lässt auf weitere gute Taten schließen. Doch die Fragen bleiben: War die Eisenbahn tatsächlich so „versifft“, wie behauptet? Und wenn ja – warum hat die Stadt nicht längst gehandelt? Schließlich gibt es eigene Trupps, die sich stets um solche Aufgaben kümmern. Wurde die Aktion überhaupt mit dem Bürgermeister abgesprochen, oder ging es primär darum eigeninitiativ zu demonstrieren, dass die Alternative für Deutschland handelt, während andere angeblich versagen? Die Kinder selbst bemerkten davon vermutlich wenig – sie spielten unbeirrt weiter. Am Ende war die Eisenbahn vielleicht ein bisschen sauberer. Wichtiger jedoch war die Botschaft. Ein Frühjahrsputz, der vor allem ein medialer Triumph war. Die Alternative für Deutschland hat es geschafft, aus einer gewöhnlichen Spiel-Eisenbahn eine Bühne der Aufmerksamkeit zu machen – ein Ereignis, über das gesprochen wird und ein zahlreiches „gefällt mir“ (Daumen hoch) folgen lässt. Und genau darin liegt die eigentliche Wirkung dieser Aktion. Fazit: Frühjahrsputz oder politische Inszenierung? In diesem Fall beides – vor allem aber ein geschickt inszenierter PR-Erfolg.

19 thoughts on “„Versiffte“ Eisenbahn auf dem Kirner Marktplatz? AfD im Frühjahrsputz-Fieber

  1. Muss man die AFD jetzt loben? Eventuell ja, schließlich haben sie ein Spielgerät , welches vor allem von Flüchtlingskindern und deren Familien als Freizeit – und Begegnungsort genutzt wird, nach dem langen Winter, geputzt. Also lobe ich die AFD für ihren „uneigennützigen“ Einsatz für Flüchtlingsfamilien. Oder sehe ich da etwas völlig anderes als diese Protagonisten???

    1. Genau darum ging es diesen Herrschaften doch – und exakt aus diesem Grund war das besagte Spielgerät auch nicht einfach nur schmutzig sondern „versifft“. Eine Beschreibung, die im Zusammenhang mit einem Ort, an dem Kleinkinder spielen. einfach nur ekelhaft ist. (Alle) Kinder machen Dreck und keinen Siff!

  2. AFD Frühjahrsputz Eisenbahn.Sehr geehrter Herr Pfrengle Ab 11.04 sind die Umwelt Wochen.Viele Menschen und Vereine säubern die Natur und entfernen Müll aus den Städten und Dörfern.Werfen Sie diesen auch politisches Verhalten vor.Einfach ohne Politische Brille und neutral das menschliche Verhalten anerkennen fällt ihnen schwer.Wenn Sie die AFD nicht mögen dann stehen Sie dazu und begründen dieses.

    1. Sehr gut geschrieben!!!

      Wenn das vor den Wahlen passiert wäre , könnte man den Vorwurf
      „ der politischen Inszenierung „
      bzw . den geäußerten Verdacht noch akzeptieren…
      so ist das eigentlich eine Frechheit denen gegenüber … die sich die Mühe der Reinigung gemacht haben !!!!

      Vielleicht könnte der Verfasser mal schreiben, was die anderen Parteien nach der Wahl so alles Gutes tun !!

    2. Hallo Herr Roepke,
      mögen doch nur alle Menschen fleißig putzen, kehren, entmüllen, aufräumen, streichen und freischneiden. Dann wäre die Welt ein bisschem heiler und niemand müsste sich dafür feiern, oder?

      PS: Lothar Koch hat reichlich Satzzeichen. Er gibt sicherlich welche ab.

  3. …und Sie lieber Herr Pfrengle, geben diesen Menschen genau die Aufmerksamkeit, die gewollt ist. Je weniger mediale Aufmerksamkeit diese rechtsradikale Partei erfährt desto besser ist es. Ansonsten schätze ich Ihren Blog außerordentlich und lese ihn regelmäßig. Legen Sie weiter den Finger in die Wunde – aber geben Sie Nazis keinen Raum.

  4. Eigentlich freue ich mich ja, wenn die Begriffe „versifft“ und AfD in einem Zusammenhang auftauchen. Dass da jetzt die Eisenbahn geputzt wurde-geschenkt. Dass sie so „versifft“ war, ist mir so leider nicht aufgefallen. Da hat es Nicolsche wohl genauer hingesehen-auch geschenkt. Daraus aber die Qualität einer Partei und das Versagen anderer Parteien abzuleiten…Nun ja. „Ich wähl die AfD.. weil sie die Eisenbahn geputzt hat“. Ich schmeiß mich weg. Die Welt wird immer verrückter.

  5. Herzlich Willkommen in Deutschland. Eine Gruppe Menschen reinigt ein Spielgerät und jedes Kind unabhängig der Nationalität kann auf dem sauberen Spielgerät spielen. Der Aufschrei ist riesig und den Kindern wird es egal sein. Zum Glück sind Kinder geistig nicht so beschränkt und spielen alle gemeinsam auf dem schönen Spielgerät.

  6. Werter Herr Berg, der Aufschrei ist überhaupt nicht riesig. Warum es aber unbedingt Fotos auf Facebook braucht, wenn eine Frau aus Speyer anreist, um ein paar Minuten mit einem Lumpen über eine Spielzeugeisenbahn zu wischen, erschließt sich vielen Menschen nicht. Zumal die Eisenbahn weder links steht, nur ein bisschen rot und nicht grün ist und an den meisten Tagen auch nicht versifft war.

    1. Guten Abend Herr Blank, es gibt keine Partei die sich nicht in Szene setzt! Ich bin der Meinung in Kirn gibt es größere Probleme als die AFD. Die Stadt Kirn und die umliegenden Gemeinden waren immer SPD geprägt und diese hat es auch immer gut gemacht. Allerdings kümmert sich im Moment jeder um die AFD und vergisst dabei die Sorgen der Bürger. Meine Oma war viel Jahre in Kirn und Kreis politisch unterwegs. In dieser Zeit ist einiges bewegt worden und heute??? Es werden auf Grund Vandalismus Spielplätze gesperrt und das soll die Lösung sein????, die Wassergebühr wird erhöht und kein Mensch versteht wie sich diese zusammensetzt, ein Krankenhaus steht kurz vor der Schließung usw. Und die großen Parteien stehen im Kampf gegen AFD….Wahnsinn! Ich wünsche mir eine kommunale Politik für die Menschen in Kirn/VG!

        1. @Matthias Bitte mit Vollnamen

          @Eric Berg
          Ihre Oma hatte vor allem einen funktionierenden Bullshit-Detektor, der ihr ermöglichte, gegen vollmundige Versprechen und Halbwahrheiten aus der Populistenecke klar und gerne auch mal derb Position. Hätte gerne gehört, was sie der Dame mit den weißen Handschuhen und dem Putzeimerle gesagt hätte.
          Glauben Sie ernsthaft, die blaue Sekte könnte zur Kirner Situation irgebdeine brauchbare Lösung anbieten?

          1. Ich schreibe nicht, dass die AFD ist besser macht. Die Parteien sollen sich nur nicht ständig mit AFD (Der sogenannte Kampf gegen rechts) beschäftigen und mehr den Menschen vor Ort zuhören. Eine Politik die den Menschen Sicherheit gibt und nicht weiter verunsichert.

  7. Ich finde es eine gute Aktion. Und als wäre die AfD die erste Partei, die in zeigt was sie tun. Lediglich solche Artikel es dann nur bei dieser Partei. Niemals würde man solch einen Artikel schreiben, wenn eine andere Partei etwas postet

  8. Was wirklich schlimm ist, und das zeigt diese Diskussion, viele fangen an, die AfD für „normal“ zu halten. Und damit deren Wahl und deren Wähler. Vielleicht hat Hitler damals mal das Klo geputzt im Bunker. „Gute Aktion“. „Aber reinlich war er ja, der Herr Hitler“. „Und er hat ja auch die Autobahnen gebaut“.
    Nein, liebe Leute, es ist nix „normal“. Und das Putzen irgendwelcher Spielgeräte wertet diese Partei und ihre Gefolgsleute in kleinster Weise auf.

  9. Hallo Herr Dr. Stephan Horn, glauben Sie tatsächlich alle AFD-Wähler sind gleich Nazis? Haben Sie die Wahlbeteiligung in Kirn beobachtet? Kennen Sie weiterhin die Struktur der Wähler in Kirn? Ich habe Verständnis für Ihre Meinung, aber jeden AFD-Wähler als Nazi hinzustellen ist nicht richtig und stimmt auch nicht! Wir sollten uns viel mehr mit dem Unmut der Menschen Kirn/VG beschäftigen und das blaue Wunder fällt bei der nächsten Wahl geringeren aus….

    1. Hallo Herr Berg, genauso, wie damals nicht alle Deutsche Nazis waren, so sind es jetzt die heutigen Wähler auch nicht. Die wählen aber scheinbar unbelehrbar eine rechtsradikale Partei, die klar formulierte Ziele verfolgt. Und über die sollte jeder ausreichend informiert sein.

    2. Hallo Herr Berg,
      als langjähriger grüner Kreistagsabgeordneter und Kirner Bürger habe ich Erna Berg sehr gut gekannt und viel mit ihr gesprochen. Ich bin mir sehr sicher, dass Erna mit all ihrer Kraft sich der AFD entgegen gestellt hätte.

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