Frankfurter Schule, Dhauner Schloss: Zwei Geländer, ein großer Behördenwahnsinn

Ein Fall für die Rubrik „Versteht man nicht“. In Frankfurt am Main zeigt sich derzeit, wie man sieben Zentimeter zur Staatsaffäre macht. In der Frauenhofschule wurde ein Treppengeländer entdeckt, das mit 103 statt der vorgeschriebenen 110 Zentimetern die Ordnung der Dinge ins Wanken bringt. Die Lösung: kein Schraubenzieher, kein Baumarkt – sondern ein Sicherheitsdienst. Zwölf Personen bewachen nun das Geländer in Schichten, als handele es sich um ein besonders fluchtfreudiges Exemplar. Kostenpunkt: mehrere tausend Euro pro Woche. Man wartet förmlich darauf, dass jemand dem Geländer gut zuredet, damit es doch noch wächst.Der eigentliche Irrsinn: Ein Jahrhundert lang war alles gut. Doch kaum misst jemand nach, wird aus Gewohnheit ein Risiko und aus einem Treppenhaus ein Hochsicherheitsbereich.

Sicherheit entsteht hier nicht durch Veränderung, sondern durch Anwesenheit. Und nun der Blick ins Kirner Land, zum Dhauner Schloss. Auch dort hat man festgestellt, dass eine Mauer nicht ganz den modernen Vorstellungen von Höhe entspricht. Doch anstatt Wachdienste mit Thermoskannen auf den Zinnen zu platzieren, greift man zur fast schon revolutionären Maßnahme: Man baut einfach ein Geländer davor. Nur wann. Seit zwei Jahren laufen die Planungen, doch das Projekt Geländer steckt noch immer in der Absichtsfalle fest. Man könnte sagen: Während Frankfurt das Problem mit Mann und Maus bewacht, wird es in Dhaun ohne Sicherheitsdienst ausgesessen – ähm, gelöst. Vielleicht fehlt dort einfach die Fantasie und der finale Wille, aus ein paar Zentimetern ein millionenschweres Sicherheitskonzept zu entwickeln.