In Kirn scheint neuerdings ein frischer Wind zu wehen – und er trägt Warnweste. Die Polizeiinspektion Kirn und das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Kirner Land haben ihre Zusammenarbeit intensiviert und gehen nun demonstrativ Hand in Hand auf Streife. Man könnte meinen, es handle sich um ein sicherheitspolitisches Duett auf Tournee. Sichtbar soll das Ganze sein, betont man – in der Innenstadt ebenso wie in den Ortsgemeinden. Denn was nützt die beste Kontrolle, wenn sie keiner sieht? Besonders ins Visier geraten ist der E-Scooter, dieses rebellische Gefährt, das mit bis zu 20 km/h die Grundfesten der öffentlichen Ordnung ins Wanken bringt. Weil Einstiegsmodelle inzwischen für rund 249 Euro im Onlinehandel zu haben sind, wächst die Zahl der Roller im Stadtbild – und mit ihr offenbar das Bedürfnis, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Kontrolliert werden Kennzeichen, Gehwegfahrten, Doppelnutzung, technische Mängel sowie Alkohol- und Handynutzung.
Ordnung muss schließlich sein. Ein falscher Versicherungsaufkleber, und schon steht der Vorwurf des Fahrens ohne Versicherungsschutz im Raum. Natürlich ist Verkehrssicherheit kein Satirethema. Regeln gelten, und ihre Einhaltung darf überprüft werden. Doch der ausführliche Bericht im Oeffentlicher Anzeiger weckt auch einen anderen Eindruck: Wenn jede gemeinsame Streife und jede Kontrollaktion öffentlichkeitswirksam ins Schaufenster gestellt wird, entsteht leicht das Gefühl, dass nicht nur kontrolliert, sondern auch inszeniert wird. Präsenz wird betont, Kooperation hervorgehoben, Sicherheit suggeriert. Ob sie dadurch tatsächlich wächst oder vor allem medial sichtbar wird, bleibt eine offene Frage. Vielleicht wäre das stärkste Zeichen funktionierender Ordnung jene, die keiner großen Ankündigung bedarf – weil sie selbstverständlich wirkt und nicht eigens beworben werden muss.




