Vom Mühlrad zum Windrad – Energiegeschichte im Hunsrück

Die Energieversorgung im ländlichen Raum hat sich im Laufe der Jahrzehnte grundlegend gewandelt. Am Beispiel des Hunsrück zeigt sich, wie sich traditionelle Formen der Energiegewinnung – insbesondere durch Wasser- und Windkraft – entwickelt haben und welche Veränderungen Landschaft, Wirtschaft und Gesellschaft bis heute prägen. Der folgende Leserbrief beleuchtet diese Entwicklung aus historischer Perspektive und verbindet sie mit einer persönlichen Einschätzung zur aktuellen Energiepolitik.

Die Mühlen auf dem Hunsrück. Es war einmal: Wassermühlen gehören heute zum regionalen Kulturerbe. Daran erinnern die Namen wie u. a. Bergmühle, Schillers Mühle, Lorenzmühle. Sie gehörten in ihrer einst praktischen Nutzung und Bedeutung zum Handwerk und zur Landwirtschaft. Die Wasserkraft hat an Flüssen und Bächen im Hunsrück eine vorindustrielle Bedeutung gehabt. Wasser hatte für den täglichen Gebrauch für Mensch und Tier zunächst große Bedeutung. Das Oberflächenwasser war früher für den Verzehr belastet, sodass Brunnen angelegt wurden. Zentrale Wasserversorgungsleitungen wurden auf dem Land erst Anfang der 1920er Jahre, teils um die Mitte des 20. Jahrhunderts, verlegt. Wasser war immer vorhanden. Die Wasserkraft der Flüsse und Bäche diente den Mühlen als Antrieb. Es waren Korn- und Ölmühlen. Die Mühlräder erinnern noch daran, wie die Wasserkraft umgewandelt wurde. Aber auch Holzsägewerke wurden mit Wasserkraft betrieben. Das Sägewerk Litzenberger am Kellenbach erinnert noch daran. Die Schleifereien im Birkenfelder Land erinnern ebenfalls an die Wassermühlen. Später wurden die Mühlräder durch Wasserturbinen ersetzt, die nach Einführung der Elektrizität durch Elektromotoren ergänzt wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sind viele Mühlen stillgelegt worden, wobei Großmühlen das Kornmahlen übernahmen. Aus ehemaligen Kleinmühlen entstanden Ferienhäuser und Gaststätten. An der Erforschung und Nutzung der Windenergie wird seit Menschengedenken gearbeitet. Auch im Hunsrück wurden zur Förderung von Brunnenwasser Windwasserräder aufgestellt. Da nicht immer Wind zur Verfügung stand, Wasser aber immer gebraucht wurde, kam man von dieser Technik wieder ab. Solche auf Gerüsten aufgebauten Windräder erinnern vereinzelt noch im Hunsrück an alte Zeiten. Die Elektrifizierung des Hunsrücks machte die Unwirtschaftlichkeit der Windmühlen deutlich. Die eingetretenen erhöhten Öl- und Gasmarktpreise nach den 1990er Jahren sowie das Ereignis in Tschernobyl führten dazu, verstärkt Windkraftanlagen zu errichten. Mittlerweile hat der Werbefeldzug für Windräder, PV-Anlagen und Wärmepumpen einen ungeahnten Umsatzboom entwickelt. An einer wirtschaftlichen Nutzung der Windenergie wird jedoch weiterhin gearbeitet. Mittlerweile sind über 2.000 Windkraftanlagen in Rheinland-Pfalz errichtet worden, jedoch sind nicht alle am Netz angeschlossen. Die Verkabelung in der Erde hat eine unvorstellbare Länge angenommen.

Der stetig steigende Energiebedarf wird dennoch mit Windenergie und PV nicht zu decken sein. Auch an eine Senkung der Energiekosten ist wohl kaum zu denken; dazu sind die Erstellungskosten mit Erschließung, Planung, Errichtung und Unterhaltung zu aufwendig. Nicht zu übersehen ist die Veränderung der Landschaft mit ihren Bewohnern sowie die unterbrochene kapillare Wasserführung durch Betonfundamente im Boden beziehungsweise im Erdreich. Der Widerspruch im Werbespruch ist nachvollziehbar: „Sonne und Wind stellen keine Rechnung.“ Die Energiekosten je kW in Deutschland sind die höchsten in Europa. Der Hunger und die Gier nach Energie sind unersättlich. Die Wasserkraft ist die kostengünstigste Energie – neben der, die ich nicht gebrauche. Sonnen- und Windenergie bescheren derzeit durch ihren Ausbau kurzfristig den größten Gewinn für den Finanzierer. Der Verbraucherpreis kann nicht sinken; dafür sind die Unterhaltungskosten auf Dauer eher steigend.

Paul-Gerhard Wagner
55606 Oberhausen bei Kirn