Blicken wir auf die Landtagswahl: Im Wahlkreis 18 (Kirn/Bad Sobernheim) könnte es bei der kommenden Abstimmung deutlich enger werden als in den vergangenen Jahrzehnten. Denis Alt (SPD) steht vor der äußerst schwierigen Aufgabe, ein Direktmandat zu verteidigen, das die SPD seit Beginn der 1990er-Jahre ununterbrochen gewonnen hat. Doch die einst als selbstverständlich geltende starke Verankerung der Sozialdemokraten in der Region bröckelt zunehmend. Mit Katharina Gräff (CDU) – jung, unverbraucht und ambitioniert – tritt eine ernstzunehmende Herausforderin an. Vieles deutet darauf hin, dass sich ein enges Rennen entwickeln könnte. Es wird knapper werden als 2021. Wesentlich knapper. Die politische Stimmung im Kirner Land hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert – und das nicht nur auf Bundesebene, sondern ebenso auf Landes- und kommunaler Ebene.
Hinzu kommen konkrete regionale Themen, die viele Bürgerinnen und Bürger unmittelbar betreffen: die Sicherung der beiden Krankenhäuser in Kirn und Meisenheim – hier gilt die SPD als nicht verlässlich – sowie die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum insgesamt. Ebenso prägend sind die Debatte um wiederkehrende Straßenausbaubeiträge, Fragen der Infrastrukturentwicklung sowie die generelle wirtschaftliche Perspektive der Region. Diese Aspekte verstärken bei einem Teil der Wählerschaft den Wunsch nach einer politischen Kurskorrektur und erhöhen die Offenheit gegenüber alternativen politischen Angeboten – sowohl gegenüber der CDU als auch gegenüber der AfD. Dass Letztere sogar um das Direktmandat konkurrieren könnte, erscheint inzwischen nicht mehr gänzlich ausgeschlossen. Alle anderen Parteien werden bei der Vergabe des Direktmandates keine Rolle spielen.
Die AfD dürfte im Vergleich zur Landtagswahl 2021 (rund 9 Prozent) erheblich zulegen. Der deutliche Anstieg bei der Europawahl 2024 Bild oben) verdeutlicht das vorhandene Mobilisierungspotenzial. Ob dieses jedoch ausreicht, um auch bei einer Landtagswahl stärkste Kraft im Kirner Land zu werden und die Region – wie zuletzt bei der Europawahl – „blau einzufärben“, bleibt offen. Landtagswahlen sind stärker personalisiert, und strategisches Wahlverhalten könnte das Kräfteverhältnis erneut verschieben. Fest steht: Die politischen Gewissheiten der vergangenen Jahrzehnte gelten im Wahlkreis 18 nicht mehr uneingeschränkt. Das Rennen um das Direktmandat dürfte so spannend werden wie lange nicht – mit offenem Ausgang und spürbar veränderten Mehrheitsverhältnissen.




