Kirn wehrt sich! Demonstration am Krankenhaus – was hat die Diakonie mit dem Krankenhaus vor?

Kirn wehrt sich. Morgen um 11 Uhr geht die Bürgerinitiative auf die Straße. Zur Protestkundgebung vor dem Krankenhaus sind alle Menschen aus Kirn und dem Kirner Land aufgerufen, die zeigen wollen: Abnicken wird es nicht geben. Denn inzwischen ist klar: Gesundheitsminister Clemens Hoch hat Kirn als einen von sieben Regioklinik-Standorten ab 2027 benannt. Damit ist die politische Richtung vorgegeben. Aber genau deshalb muss jetzt eine andere Frage gestellt werden. Was hat der Träger mit dem Krankenhaus Kirn vor? Das Kirner Krankenhaus gehört zum Geschäftsfeld Krankenhäuser der Stiftung kreuznacher diakonie. Der Träger ist damit nicht irgendein Zuschauer dieser Entwicklung. Er ist derjenige, der am Ende gemeinsam mit den politischen Vorgaben und den zugewiesenen Leistungen entscheiden muss, wie der Standort konkret aussieht.

Und genau darüber wissen die Menschen in Kirn bislang viel zu wenig. Regioklinik – das klingt modern. Sektorenübergreifende Versorgung – das klingt nach Zukunft. Doch hinter diesen Begriffen müssen konkrete Antworten stehen. Wie viele Betten soll Kirn künftig haben? Welche Fachabteilungen bleiben? Welche Operationen dürfen weiterhin durchgeführt werden? Welche medizinischen Leistungen will die Diakonie in Kirn anbieten? Wie sieht die Versorgung von Alltagsnotfällen aus? Gibt es eine ärztliche Präsenz rund um die Uhr? Und was passiert mit Patienten, deren Erkrankung oder Verletzung über das neue Angebot hinausgeht? Das Beispiel Hermeskeil zeigt, wohin die Reise bei einer Regioklinik gehen kann. Die Menschen in Kirn haben ein Recht darauf zu erfahren, welche medizinische Versorgung ihnen künftig vor Ort zur Verfügung steht.

Bisher gibt es aus Bad Kreuznach darauf keine ausreichenden Antworten. Auch die BI wurde noch nicht informiert. Dabei dürfte die Diakonie kaum überrascht sein von der Entwicklung. Sie wusste, dass die Krankenhauslandschaft vor einem grundlegenden Wandel steht und wohin die Reise mit der Regioklinik gehen könnte. Es wäre daher schwer vorstellbar, dass man sich in Bad Kreuznach nicht längst Gedanken über das künftige Angebot in Kirn gemacht hat. Der konkrete Plan dürfte längst existieren – möglicherweise liegt er nur noch in der Schublade. Wenn das so ist, wird es Zeit, diese Schublade zu öffnen. Die Menschen in Kirn haben Anspruch auf Klarheit – und zwar bevor vollendete Tatsachen geschaffen werden.

Die neue Finanzierung schafft zwar einen Rahmen für Regiokliniken. Sie garantiert aber nicht automatisch, dass am jeweiligen Standort 50 Betten stehen oder welche konkreten Leistungen dort angeboten werden. Die Finanzierung ist auf höchstens 50 stationäre Betten begrenzt. Und genau hier muss die Bürgerinitiative ansetzen. Nicht nur beim Ministerium. Auch beim Träger. Die Diakonie muss sich fragen lassen, welchen Stellenwert der Standort Kirn künftig haben soll. Denn Hoch sagt selbst, dass die Regiokliniken kein starres Modell sein sollen, sondern an den jeweiligen regionalen Bedarf angepasst werden. Die entscheidende Frage lautet: Was bleibt vom Krankenhaus? Morgen muss Kirn deshalb laut werden. Die Bürgerinitiative ruft um 11 Uhr zur Protestkundgebung auf. SWR, RPR1 und RTL haben ihr Interesse angekündigt. Die Öffentlichkeit wird hinschauen. Diese Aufmerksamkeit muss genutzt werden. Denn der Kampf ist nicht mehr allein die Frage, ob die politische Entscheidung „Regioklinik“ lautet. Diese Entscheidung scheint gefallen.

  • Der Kampf geht jetzt um die Ausgestaltung.
  • Um jedes Bett.
  • Um jede medizinische Leistung.
  • Um jede Form der Notfallversorgung.
  • Um jeden Arzt, der vor Ort zur Verfügung steht.

Deshalb sollte morgen eine Botschaft ganz klar sein: Die Region akzeptiert keine Regioklinik als Blankoscheck für weniger Versorgung. Wenn die Regioklinik politisch gewollt ist, dann muss sie für Kirn so ausgestaltet werden, dass sie den tatsächlichen Bedarf der Region berücksichtigt. Und dafür trägt nicht nur Mainz Verantwortung. Auch der Träger muss jetzt offenlegen, was er mit dem Kirner Krankenhaus vorhat. Die Menschen haben ein Recht darauf, es zu erfahren. Nicht irgendwann. Jetzt. Denn Abnicken ist nicht. Kirn wehrt sich.