Das Kirner Krankenhaus ist tot – es lebe die Regioklinik

Aus Krankenhaus wird Regioklinik: Weniger Betten, weniger Leistungen, keine Rund-um-die-Uhr-Notfallversorgung – und die Politik nennt das Zukunft.

Die Katze ist aus dem Sack: Streiche Krankenhaus, setze Regioklinik. Gesundheitsminister Clemens Hoch hat es soeben im Landtagsausschuss verkündet und der SWR sogleich als Meldung transportiert. Was offiziell nach moderner Gesundheitsversorgung und Zukunft klingt, bedeutet für Kirn und das Kirner Land vor allem eines: Das Krankenhaus, wie die Menschen es kennen, stirbt. Es wurde gekämpft, gehofft – und am Ende offenbar doch verloren. Damit scheint das Schicksal besiegelt: Ab dem 1. Januar 2027 wird Kirn kein Krankenhaus mehr im klassischen Sinne haben. Denn eine Regioklinik ist eben kein Krankenhaus, wie die Menschen es bisher kennen. Weniger Betten, weniger Leistungen, weniger stationäre Versorgung – und keine Notfallversorgung rund um die Uhr. Bei komplizierteren Fällen geht es weiter in größere Kliniken. Die Wege für Patienten werden länger, die Möglichkeiten vor Ort weniger. Natürlich klingt „sektorenübergreifende Versorgung“ besser als Abbau.

Und „Regioklinik“ moderner als Krankenhausabbau. Doch schöne Begriffe ändern nichts an der Realität: Das Krankenhaus im klassischen Sinne ist schon bald Geschichte. Was an Leistungen bleibt, wird man sehen. Der Träger, sprich die Diakonie, hat Spielräume der Ausgestaltung. Ersetzt wird das klassische Krankenhaus durch eine Konstruktion, die bei vielen Menschen eher wie eine Mogelpackung wirken dürfte. Man muss es so hart diagnostizieren. Gerade ältere Menschen und Menschen ohne eigene Mobilität brauchen ein leistungsfähiges Krankenhaus vor Ort. Heute heißt die Richtung Regioklinik. Und morgen? Wird der „Laden“ vielleicht ganz dichtgemacht? Sorry für die Wortwahl – aber genau diese Worte benutzte einst Oberarzt Rudolf Benz bei einer Podiumsdiskussion. Bleibt Kirn ohne Krankenhaus, könnte dies der Anfang vom Ende sein. Irgendwann bleibt vielleicht nur noch die Gebäudehülle übrig. So lautete jedenfalls die damalige Prognose des erfahrenen Mediziners vor den Landtagswahlen.

Man kann den Tod eines Krankenhauses auch Fortschritt nennen, wie die Politik es zu verkaufen versucht. Für die Menschen bleibt es trotzdem ein Verlust. Noch ist die Entscheidung nicht endgültig. Die Krankenhäuser können im laufenden Beteiligungsverfahren Stellung nehmen und Änderungen beantragen. Die endgültigen Festlegungen sollen in den kommenden Wochen getroffen werden. Für Kirn und das Kirner Land ist die heutige Nachricht dennoch ein schwerer Schlag. Der traditionsreiche Krankenhausstandort steht vor einem grundlegenden Wandel. Der 1. September ist kein guter Tag für Kirn und das Kirner Land. (Ein weiterer Bericht folgt.)