Krankenhaus: Bingen macht es vor – Kirn droht das gleiche Schicksal

Was derzeit in Bingen beschlossen wurde, ist ein warnendes Beispiel für Kirn. Das Heilig-Geist-Hospital in Bingen wird nicht vollständig geschlossen – aber zur sogenannten „Regio-Klinik“ umgewandelt. Die Folge: Die 24/7-Notaufnahme fällt weg, die Zahl der Betten wird drastisch reduziert und die medizinischen Angebote werden auf wenige Schwerpunkte zusammengestrichen. Schwere akute Notfälle müssen künftig in umliegende Krankenhäuser gebracht werden. Und das, obwohl die Menschen in Bingen protestiert haben. Rund 300 Bürgerinnen und Bürger bildeten noch kurz vor der Entscheidung eine Menschenkette um das Krankenhaus. Es wurde demonstriert, protestiert und eindringlich vor den Folgen einer Verkleinerung gewarnt. Genützt hat es offenbar nichts.

Auch politische Versprechen konnten die Entwicklung nicht aufhalten. Insbesondere die CDU hatte im Zusammenhang mit dem Krankenhausstandort Wahlversprechen abgegeben, die nun aus Sicht vieler Betroffener nicht eingelöst wurden. Am Ende steht trotz aller Proteste eine massive Reduzierung der medizinischen Versorgung. Die Parallele zum Kirner Krankenhaus ist unübersehbar. Auch in Kirn soll das Krankenhaus zur „Regio-Klinik“ umgewidmet werden. Zwar drückt Kirn derzeit nicht dieselbe Schuldenlast wie Bingen – doch das Konzept ist vergleichbar: weniger Betten, weniger Leistungen, weniger Notfallversorgung und damit ein Krankenhaus, das seinen bisherigen Versorgungsauftrag immer weiter verliert.

Was eine solche „Regio-Klinik“ konkret bedeuten kann, lässt sich jetzt in Bingen beobachten: Nachmittags ab 16 Uhr ist Schluss, eine echte Notfallversorgung gibt es nicht mehr und insgesamt wird das Angebot massiv abgespeckt. Das sollte niemand als harmlose Umstrukturierung verkaufen. Eine Klinik, die immer weniger Leistungen anbietet und für akute Notfälle nicht mehr rund um die Uhr zur Verfügung steht, ist faktisch nur noch ein Bruchteil dessen, was ein Krankenhaus bisher geleistet hat. Bingen zeigt damit, wohin die Entwicklung gehen kann. Und genau deshalb muss Kirn jetzt genau hinschauen.

Denn wenn erst einmal Strukturen, Abteilungen, Personal und Notfallversorgung verschwunden sind, ist der Weg zurück kaum noch möglich. Die Umwandlung zur „Regio-Klinik“ kann damit zur Vorstufe eines vollständigen Verschwindens des Krankenhausstandortes werden. Die entscheidende Frage für Kirn lautet deshalb: Will man wirklich warten, bis aus Versprechen Realität wird – und aus einem Krankenhaus eine abgespeckte Einrichtung, die für die Akutversorgung kaum noch eine Rolle spielt? Bingen sollte uns eine Warnung sein. Denn dort haben die Proteste nichts verhindert. Und auch politische Wahlversprechen haben sich am Ende nicht bewahrheitet. Kirnmuss auf alles vorbereitet sein.

4 thoughts on “Krankenhaus: Bingen macht es vor – Kirn droht das gleiche Schicksal

  1. Aha. Um 16:00 ist zu. Soso. Wer um kurz nach sechs schon einmal eine Briefmarke in der Post wollte oder um halb zehn aus dem Rewe gefegt wurde, weiß, dass das mit Patienten nicht funktionieren kann. Verlegen? Womit? Soll ich ein Pferdefuhrwerk mieten? Welche Patienten bleiben über Nacht? Wie werden sie versorgt? Als Regioklinik werde ich meine Weiterbildungsermächtigung verlieren. Ohne Ermächtigung keine Assistenzärzte. Also Fachärzte? Woher nehmen? Ich brauch sechs, um bei Hausdiensten dem arbeitszeitgesetz zu entsprechen. Wie bezahlen bei reduzierten Einnahmen? Diese Luftnummer „Regioklinik“ scheint sich jemand ausgedacht zu haben, der nun wirklich von qualitativ hochwertiger Patientenversorgung überhaupt keine Ahnung hat.

    1. Interessant ist auch, dass sich die Verantwortlichen jedem Gespräch mit Fachleuten anscheinend entziehen. Hier werden am grünen Tisch weitreichende Entscheidungen getroffen, ohne über anstehende Konsequenzen nachzudenken. Beratungsresistent, störrisch, dumm. Anders kann ich es nicht mehr bewerten.

      1. Lobenswert dagegen unser Treffen mit den Ortsbürgermeistern der Region. Sie waren vor Ort, haben sich die Problematik angehört und können jetzt ihre eigenen Schlüsse ziehen. Nur werden sie zu den „höheren Stellen“ durchdringen können? Man wird es sehen.

  2. Wir müssen als regionale Vertreter gemeinsam an einem Strang für den ländlichen Raum ziehen. Hoffen wir, dass wir nicht auf taube Ohren stoßen. So manch einer unserer Vordenker ist offensichtlich zu sehr damit beschäftigt, die Welt zu retten.

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