Bingen als Blaupause: Was kommt auf Kirn zu?

Das Binger Heilig-Geist-Hospital bleibt – aber es ist künftig kein Krankenhaus mehr wie bisher. Besonders wichtig ist dabei ein kleiner, aber entscheidender Satz: Eine klassische Notaufnahme gibt es nicht mehr. Und was bedeutet das? Ganz einfach, nach dem Prinzip „Sendung mit der Maus“: Wer mit einem gebrochenen Bein, nach einem schweren Unfall oder mit einem anderen akuten Problem ins Krankenhaus muss, kann nicht einfach mehr in die Binger Notaufnahme gehen. Die neue internistische Aufnahme ist zwar 24 Stunden geöffnet, aber sie ist keine allgemeine Notaufnahme. Sie ist für bestimmte internistische Erkrankungen gedacht. Braucht ein Patient eine Operation, eine spezielle Intervention oder eine Behandlung, die in Bingen nicht mehr angeboten wird, geht es weiter in ein anderes Krankenhaus. Das Binger Krankenhaus bleibt also erhalten – aber ein Stück Krankenhausversorgung verschwindet aus Bingen. Und genau hier wird es interessant: Ist Bingen eine Blaupause für Kirn? Ja – und inzwischen ist das mehr als nur eine Vermutung.

Auch für Kirn wird die Entwicklung zur Regioklinik angekündigt. Das Grundprinzip ist schnell erklärt: Der Krankenhausstandort bleibt, das Angebot wird kleiner, stationäre Leistungen werden konzentriert, ambulante Angebote ausgebaut und komplexere Fälle in größere Kliniken geschickt. Das klingt natürlich deutlich besser als „Wir bauen das Krankenhaus zurück“. Politisch lässt sich „Der Standort bleibt“ eben leichter verkaufen. Dabei war für Kirn noch vor wenigen Jahren ausdrücklich vorgesehen, Innere Medizin, Chirurgie und Notfallversorgung zu erhalten. Heute sieht die Zukunft deutlich anders aus. Deshalb sollte man in Kirn genau hinschauen und sich nicht nur von wohlklingenden Begriffen beruhigen lassen. Denn entscheidend ist nicht, ob irgendwo weiterhin ein Krankenhaus-Schild hängt. Die entscheidende Frage lautet: Was kann dieses Krankenhaus im Notfall tatsächlich noch selbst behandeln? Bingen zeigt nicht zwangsläufig, wie Kirn enden wird. Aber Bingen zeigt sehr deutlich, wie ein solcher Umbau aussehen kann. Und deshalb sollte man in Kirn jetzt genauer hinsehen – bevor aus „Das Krankenhaus bleibt“ irgendwann nur noch „Der Standort bleibt“ wird.