Zwischenruf! – Oder Zwischenschrei?

Der folgende „Zwischenruf“ stammt von Carl Rheinländer aus Heimweiler und wurde von der Redaktion auf die Nachrichtenseite gehoben. Rheinländer setzt sich darin kritisch mit der aktuellen politischen Debatte über Krieg, Aufrüstung und die Rolle der Medien auseinander.

„Vor unseren Augen gerade passiert, die deutsche Bevölkerung tatsächlich auf einen großen Krieg einstimmen können? Was ist der Grund dafür, dass aus der Bevölkerung heraus keine breite und laute Front des Widerstands dagegen zu erkennen ist? Die Antwort liegt nahe: Weil die Menschen unablässig mit raffinierter Propaganda (auch genannt „Strategische Kommunikation“) in die informative Irre geleitet werden und dies nicht erkennen. Überall in etablierter Presse, Konzernmedien und Öffentlich-Rechtlichem-Rundfunk werden sämtliche „Argumente“ und „Warnungen“ der Kriegstreiberschaft von morgens bis abends wiederholt. Und wieder einmal entsprechen diese genau den „10 Methoden der Kriegspropaganda“, die bereits der britische Staatsbeamte Arthur Ponsonby in seinem Buch „Falsehood in Wartime“ (1928) genannt hatte:

1. „Wir wollen den Krieg nicht.“

2. „Das gegnerische Lager trägt die alleinige Verantwortung dafür.“

3. „Der Führer des Gegners ist ein brutaler Bösewicht.“

4. „Wir kämpfen für eine gute Sache.“

5. „Der Gegner kämpft mit verbotenen Waffen.“

6. „Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur aus Versehen.“

7. „Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm.“

8. „Angesehene Persönlichkeiten, Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache.“

9. „Unsere Mission ist heilig, wir kämpfen für Freiheit und Demokratie.“

10. „Unsere Berichterstattung ist wahr. Wer sie in Zweifel zieht, ist ein Verräter.“

Unter diese 10 Punkte lassen sich fast sämtliche Nachrichten einordnen, welche zum Krieg in der Ukraine verbreitet werden. Und Hunderte von Quellen könnte man anführen, die verdeutlichen, wie sehr alles nur Halbwahrheiten, Falschmeldungen und Unterlassungen sind. Wer sich für diese andere Seite der Medaille, also für die wahren Kriegsgründe und Schuldigkeiten interessiert, findet Einschätzungen neutraler westlicher Fachleute im Internet. Diese erinnern auch daran, dass sich Russland fast 30 Jahre lang bemüht hat, mit Westeuropa eine neue Sicherheitsarchitektur zu entwerfen. Etliche Vertragsentwürfe wurden auf den Tisch gelegt und vielfach Gespräche angeboten. Aber die USA und andere NATO-Länder haben dies immer wieder gezielt verwässert und verhindert.

Leider kommen objektive Kommentatoren in westlichen Standard-Medien nicht mehr vor. Sie werden entweder totgeschwiegen oder als „Putin-Versteher“ und „Verschwörungs-Theoretiker“ diskreditiert. Die NATO-freundliche „Wikipedia“ und auch die Internetsuche per KI diffamiert Kritiker transatlantischer Interessen mindestens als „umstritten“ und verfrachtet sie mittels Zitaten konformer Dritter in rechtsextreme Ecken. Manche „Unbequeme“ verlieren sogar ihre Arbeit, ihre Bankverbindung und ihre sozialen Bindungen. Solche Repressalien entsprechen der Umsetzung von Punkt 10 in Ponsonbys Methoden. Stattdessen, und das ermöglicht professionelle Propaganda, stehen Politiker mit den niederträchtigsten Ansichten in der „Beliebtheitsskala“ oben. Wenn Leute das wählen, was ihnen schadet, hat man sie vorher zur wahren Eigenschaft der Auswahl belogen. Ein Staat, in dem ausgedehnte Propaganda herrscht, kann definitiv keine Demokratie sein, in der wir wählen können, was uns gut tut.

Man erzählt uns: Russland wolle Europa überfallen, und wir müssten Hunderte Milliarden in die Aufrüstung stecken, statt in zivil-gesellschaftliche Bereiche. Doch kein russischer Soldat wird kommen. Die Antwort Russlands für den Beschuss russischen Hinterlands, auch mit in Deutschland produzierter Drohnen und Raketen, könnte aber durchaus der Beschuss von Zielen in Deutschland sein. Die Zerstörung des Hafens von Odessa zeigt, wie brutal Russland reagieren kann. Wie lange, glauben wir, sieht Russland den deutschen Waffenlieferungen noch tatenlos zu? Und was wäre, wenn Russland auch hier, im extrem verwundbaren Deutschland, die Zentren der Daseinsvorsorge in Schutt und Asche legt?

Unsere gewohnte Normalität und Versorgung würde schnell zusammenbrechen und eine existenzielle Not verursachen, von der wir heute keine Vorstellung haben. Wollen wir das? Wollen wir das mit uns machen lassen? Doch was könnte man tun? Die normalen demokratischen Möglichkeiten sind verbaut. Mit Leuten ohne geopolitisches Hintergrundwissen lässt sich nicht für Neutralität streiten. Mit opportunistischen Kommunalpolitikern lässt sich kein Appell an die Regierung formulieren. Mit Leuten, die gegen Rechtspopulisten polemisieren und meinen, so „die Demokratie beschützen und verteidigen“ zu können, kann man nicht über die eigentlichen Gefahren für die Demokratie sprechen. Was also können wir hier im oder aus dem Kirner Land heraus tun, um den Kriegstreibern zu sagen: „Wir sind nicht einverstanden!“? Ich weiß es nicht!„

Carl Rheinländer, Heimweiler

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