Die Zukunft der Krankenhäuser und der medizinischen Versorgung betrifft viele Menschen, besonders in ländlichen Regionen. Paul-Gerhard Wagner aus Oberhausen nimmt in seiner folgenden Kolumne die Entwicklung des Kirner Krankenhauses zum Anlass, die Frage nach dem Erhalt und der zukünftigen Versorgung in der Region zu stellen. Sein Beitrag soll zum Nachdenken über die Bedeutung wohnortnaher Krankenhäuser anregen.
„Laut Aufzeichnungen wurde das Kirner Krankenhaus im Jahr 1911 als städtisches Krankenhaus errichtet. Bis zum Jahr 1991 wurde es als städtisches Krankenhaus betrieben. Nachdem die Unterhaltungskosten für den städtischen Haushalt immer mehr zur Belastung führten, erfolgte eine Wandlung. Das sind nun 113 Jahre her. Bedenkt man, dass das Krankenhaus zwei Weltkriege von 1914 bis 1918 und von 1939 bis 1945 überlebt hat und immer weitergeführt wurde, weiß man um die geleisteten Aufwendungen. Längst wurde immer wieder darüber nachgedacht, eine weiterführende Lösung anzustreben und das Krankenhaus zu erhalten. Im Laufe der Jahre waren am Gebäude verschiedene Bau-, Erweiterungs- und Unterhaltungsarbeiten ausgeführt worden. Längst überstiegen die laufenden Investitionskosten die Haushaltsmittel der Stadt Kirn. Fusionsgedanken mehrten sich und führten zum Ziel. Zum 01.01.2002 erfolgte dann die Fusion zu einem Haus „Diakonie Krankenhaus Bad Kreuznach“ an zwei Standorten, Bad Kreuznach und Kirn, mit einem Besitzer.
Einen Schwerpunkt bildete hierbei unter anderem auch die Abteilung Orthopädie unter Dr. Hallbauer, der eine Etage mit Patienten weit über die Region hinaus unterhielt und auch Menschen aus dem Ausland operierte und gesund machte bzw. heilte. Insofern ist es für die Bevölkerung unverständlich, ein solches Haus auf den Status Regionalkrankenhaus, Regio-Krankenhaus, herunterzuwirtschaften. Dies kommt dem Vergleich nahe, wenn man den Einzelhandel durch Discounterneubauten zur Aufgabe zwingt und ihn vertreibt. Ein Krankenhaus in der bestehenden Form erfüllt eine Aufgabe für eine gesamte Region. Sie muss beibehalten werden, einmal mehr in einer Landgegend. Dass es darüber hinaus eine Verbindung zum Christentum und damit zur Kirche gibt, beweist die Diakonie seit Jahrzehnten durch ihr Engagement für die Öffentlichkeit bzw. für die Menschen. Die Medizin von heute ist nicht nur eine hochwertige Versorgung von Menschen in wissenschaftlicher Kenntnis, mit hochwertigen Geräten, mit natürlichen, technischen, erfundenen Organen und Apparaturen, die Spezialisten beherrschen und bedienen.
Solche besonderen Mediziner sollen gegen besondere Bezahlung ein möglichst langes, gesundes Leben sicherstellen. Eine Medizin, nach Kostennutzenrechnung aufgebaut, hat die ethischen, humanistischen und menschlichen Ebenen neu ausgerichtet. Sie hat dann den hippokratischen Eid verlassen. Am Beispiel von staatlichen Statistiken zu Krankenhausüberlegungen und ihren Versorgungseinrichtungen sowie dem Umgang mit Menschen, mit Kranken, wird angeführt: In der Bundesrepublik Deutschland werden derzeit Schließungen von Krankenhäusern nach Vorschlag, Festlegung bzw. Entscheidungen unter Begleitung des Gesundheitsministeriums veranlasst. Die Verwaltungen im KV-Wesen werden mit 93 gesetzlichen Kassen vertreten. (Stand 01.01.2026.) Davon sind 11 AOK-KV. Die Zahl der Kassenärztlichen Vereinigungen wird mit 17 angeführt. Gesetzlich Versicherte gibt es in der Bundesrepublik zu 88 % der Gesamtbevölkerung. Privat versichert sind 10,8 %. Die Anzahl der bestehenden Kliniken wird mit derzeit noch 1.844 Häusern angegeben.
In Deutschland gibt es 2.057 Städte. Davon sind mehr als 79 Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern, 625 Städte mit 20.000 bis 99.999 Einwohnern aufgeführt. Die übrigen sind Kleinstädte mit weniger als 20.000 Einwohnern. In den 16 Bundesländern mit weiteren 5 Großstädten über 1 Million Einwohnern verlieren sich vielfach die übrigen Bürgerinnen und Bürger. Die Anzahl an Migranten ist oftmals noch Grauzone. Demnach entfallen derzeit auf ein Krankenhaus 45.016 Bürgerinnen und Bürger. Wohin werden die Kranken künftig gebracht, wenn immer mehr Krankenhäuser geschlossen werden? Am Beispiel Niederschlag: Wenn nach Regen durch „lauter Bach“ Wiesen und Felder überflutet werden, schwellen die Bäche und Flüsse schnell an und treten über die Ufer. Ein ehemaliger Gesundheitsminister hatte zur Kostensenkung bei der Gesundheitsreform die Idee, Krankenhäuser zu schließen, um die Gesundheitskosten zu senken. Welch tolle Idee und so nachhaltig.
Ein durch Hitze ausgetrockneter Boden lässt ein Eindringen von Wasser kaum zu. Wenn nach starken Niederschlägen die Bäche lauter werden, kündigt sich Schaden durch Überflutung an. So kann es auch bei den Kranken künftig in Krankenhäusern kommen. Dabei muss man nicht an Krieg denken. Wer den Abbau von Krankenhäusern favorisiert, wie zurzeit amtlich betrieben, handelt somit wie die Feuerwehr nicht handeln darf, wenn sie vergisst oder versäumt, die Fahrzeuge und Gerätschaften zu pflegen und zu unterhalten. Ähnlich kann sich das Schließen von Krankenhäusern auswirken. Aber kann ich das als politisch sparsam verkaufen? Ein Gesundheitsminister und sein Ministerium, der die Vorsorge und den Schutz übersieht, vernachlässigt die Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger. Ist die Vorsorge im täglichen Leben dennoch gewährleistet?„
Paul-Gerhard Wagner
55606 Oberhausen




