Wildgrafen-Radweg: Viel Potenzial, wenig Begeisterung und kein Wildgrafen-Logo

Einen neuen „Themenradweg“ vorzustellen, sollte eigentlich freudige Emotionen wecken. Beim „Wildgrafen-Radweg“ wollte diese Begeisterung bei den Ratsmitgliedern allerdings nicht so recht aufkommen. Das lag vor allem daran, dass die Vorstellung zäh und ohne erkennbare Überzeugung verlief. Eine Skizze an der Wand, Hinweise auf die gesetzlichen Vorgaben bei der Beschilderung und der kurze Verweis auf Service-Stationen – das war es im Wesentlichen. Dabei wäre deutlich mehr möglich gewesen. Gerade ein Themenradweg lebt von seiner Geschichte, seinen Besonderheiten und den Erlebnissen entlang der Strecke. Keine Frage, die Präsentation war lieblos. Stutzig macht auch der Preis. Die Verbandsgemeinde rechnet mit Gesamtkosten von rund 50.000 Euro – einschließlich der Planung durch ein externes Büro. Eine Planung sei notwendig, um überhaupt Zuschüsse beantragen zu können. Verrückte Zeiten sind das. Rund 40 Prozent der Kosten muss die Verbandsgemeinde selbst tragen, den Rest übernimmt das Land.

Im Rat wurden zudem Zweifel an der künftigen Unterhaltung und Verkehrssicherung des Radwegs auf befestigten und unbefestigten Bestandswegen und an den geplanten Service- und Ladestationen in Dhaun sowie am Schloss Wartenstein geäußert. Diese Punkte wurden zwar angesprochen, eine ausführlichere Diskussion oder konkrete Antworten blieben jedoch aus. Am Ende stimmte der Rat dem Antrag zu, die weiteren Planungen an ein externes Büro zu vergeben. Dafür werden 10.300 Euro fällig. Schnell zum nächsten tagesordnungspunkt. Das Kirner Land bekommt damit also einen Themenradweg. Was allerdings fehlt, ist ein prägnantes Erkennungsmerkmal. Ein eigenes „Wildgrafen-Logo“, das den Weg begleitet und den Radfahrern signalisiert, dass sie tatsächlich auf der richtigen Route unterwegs sind, ist bislang nicht vorgesehen. Das verwundert dann doch. Gerade bei einem Themenradweg sind solche visuellen Merkmale wichtig. Sie schaffen Wiedererkennung, Orientierung und letztlich auch ein Stück Identität. Ein Radweg mit einem Namen wie „Wildgrafen-Radweg“ sollte schließlich mehr bieten als eine Linie auf einer Karte und einige Standard-Schilder am Wegesrand.