Aufmerksame Leser sehen bekanntlich Dinge, die anderen entgehen. So entdeckte kürzlich ein Leser an der Bärenbacher Brücke ein Zählwerk des Landesbetriebs Mobilität und hielt seine Entdeckung gleich mit einem Foto fest. Das kleine Gerät am Radweg wirkt unscheinbar, erfüllt aber offenbar eine wichtige Aufgabe: Es zählt die Radfahrer, die dort vorbeikommen. Und man fragt sich unweigerlich: Was wird da eigentlich gezählt – und vor allem: wofür? Denn der Standort ist durchaus bemerkenswert. Direkt hinter der Brücke beginnt eine Engstelle, die Radfahrern nicht gerade großzügige Platzverhältnisse bietet. Da liegt die Vermutung nahe, dass die erhobenen Daten eines Tages als Grundlage für Verbesserungen dienen könnten. Vielleicht soll ermittelt werden, wie stark dieser Abschnitt tatsächlich genutzt wird. Vielleicht sollen Zahlen gesammelt werden, die später den Ausbau oder eine sicherere Verkehrsführung begründen. Vielleicht.
Genauso gut könnte das Zählwerk aber auch einfach nur zählen. Weil man heutzutage eben gerne zählt. Autos werden gezählt, Radfahrer werden gezählt, Fußgänger werden gezählt – und wenn lange genug gezählt wurde, entsteht eine beeindruckende Statistik. Was anschließend mit den Zahlen geschieht, bleibt allerdings oft im Verborgenen. Besonders interessant wird die Sache daher, wenn das Gerät eines Tages wieder verschwindet. Dann wird sich zeigen, ob aus den vielen erfassten Fahrten auch konkrete Erkenntnisse geworden sind. Oder ob die Daten lediglich in einer Tabelle gelandet sind, ordentlich archiviert und anschließend vergessen. Wenn der Landesbetrieb Mobilität wissen möchte, wie stark die Strecke genutzt wird, ist eine solche Erfassung durchaus sinnvoll. Noch sinnvoller wäre allerdings die Information, ob die Messung Teil eines konkreten Vorhabens ist oder lediglich eine zeitlich begrenzte Bestandsaufnahme darstellt. Der Kasten verrät darüber leider nichts. Der zählt schweigend weiter.




