Liebe Frau Landrätin Dickes: Verantwortung lässt sich nicht wegdelegieren

Die Aussage von Landrätin Bettina Dickes bei ihrem Jahresgespräch, es habe zwar Gerüchte über Weltkriegsmunition gegeben, aber keine offiziellen Dokumente oder Beweise, wirft eine grundsätzliche Frage auf: Muss eine Behörde tatsächlich erst einen schriftlichen Nachweis auf dem Tisch haben, bevor sie einer möglichen Gefahr nachgeht? Gerade beim Thema Katastrophenschutz darf Vorsorge nicht erst dann beginnen, wenn eine Gefahr bereits eingetreten ist. Wenn ältere Einwohner seit Jahren von Munitionsresten berichten, wenn eine Geschichte in einer Region über Jahrzehnte weitergegeben wird und wenn es Hinweise auf eine mögliche Altlast gibt, dann wäre es Aufgabe der zuständigen Stellen gewesen, diesen Hinweisen nachzugehen.

Sich im Nachhinein darauf zurückzuziehen, dass keine offiziellen Unterlagen vorlagen, wirkt wie ein sehr bequemer Umgang mit Verantwortung. Denn Verwaltung bedeutet nicht nur, vorhandene Akten zu verwalten – Verwaltung bedeutet auch, Risiken frühzeitig zu erkennen und Informationen aktiv zu beschaffen. Dickes mag formal darauf verweisen können, dass die entscheidenden Karten bei einer anderen Behörde lagen. Doch politische Verantwortung lässt sich nicht allein mit Zuständigkeiten erklären. Die Bürger erwarten zu Recht: Wenn es Hinweise auf eine mögliche Gefahr gibt, wird gehandelt – nicht erst dann, wenn es brennt und Munition explodiert.

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