Der Mann der Woche im Landkreis – allerdings von der ganz falschen Sorte

Es braucht manchmal nur einen Brief, um sich schlagartig zur bekanntesten Person im Landkreis zu machen. Ein einziger Mann stellte den Umfang des Feuerwehreinsatzes infrage und griff dabei auch noch zum denkbar unerquicklichsten Begriff: „Inszenierung“. Damit war die Rollenverteilung schnell klar. Während hunderte Einsatzkräfte bei Gluthitze tagelang gegen die Flammen kämpften, wurde der Beschwerdeführer über Nacht zum Mann der Woche – allerdings nach der unerquicklichsten aller Definitionen. Kaum war seine Kritik öffentlich, prasselte die Empörung auf ihn nieder. Kommentarspalten liefen heiß, die Solidarität mit der Feuerwehr war überwältigend, und der Kritiker musste ordentlich Haue einstecken. Sollte er demnächst in Traisen unerkannt einen Kaffee trinken wollen, dürfte das schwierig werden. Im Landkreis hat er sich mit seinem Vorstoß jedenfalls kaum Freunde gemacht. So verständlich die Wut vieler über den Vorwurf der „Inszenierung“ auch ist – sie hat einen unangenehmen Nebeneffekt.

Denn plötzlich redet kaum noch jemand über die eigentlich spannende Frage. Nämlich: Wie kann es sein, dass sich in einem Naturschutzgebiet offenbar noch immer so viele Munitionsreste befinden, dass bei einem Waldbrand eine Evakuierung wegen Explosionsgefahr erforderlich wird? Dieses Problem ist schließlich nicht erst seit vergangener Woche bekannt. Dass dort Blindgänger und andere Kampfmittel liegen, wusste man seit Jahren. Trotzdem scheint der Zustand weitgehend hingenommen worden zu sein. Der eigentliche Skandal ist deshalb womöglich nicht der Brief eines einzelnen Bürgers. Der eigentliche Skandal könnte sein, dass eine bekannte Gefahr so lange zur Normalität geworden ist, bis ein Waldbrand sie plötzlich wieder brandaktuell machte. Über den Brief wird man in ein paar Wochen kaum noch sprechen. Die Munition im Wald aber liegt dort möglicherweise noch deutlich länger. Und die nächste Hitzewelle kommt bestimmt.

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