Zwischen Nord und Süd – wie der Mais einen Sommer unterschiedlich erlebt

Deutschland im August. Die Sonne scheint. Der Mais wächst. Eigentlich. Denn manchmal reichen ein paar Hundert Kilometer aus, um zwei völlig unterschiedliche Geschichten zu erzählen. Das beweist dieses zweigeteilte Bild eindrucksvoll. Links: die Ostseeküste in Schleswig-Holstein. Der Mais steht satt, grün und kräftig. Die Pflanzen wirken, als hätten sie einen Wellnessurlaub gebucht: ausreichend Wasser, gemäßigte Temperaturen und die frische Ostseeluft als natürliche Klimaanlage. Rechts: das Kirner Land. Derselbe Sommer, dieselbe Kulturpflanze, aber ein völlig anderes Bild. Die Blätter sind gelb, die Pflanzen wirken erschöpft, der Boden trocken. Der Mais steht nicht mehr im Wachstum, sondern im Überlebensmodus. Man könnte meinen, die beiden Felder lägen in unterschiedlichen Ländern.

Tatsächlich trennen sie nur wenige Autostunden. Der Mais ist dabei lediglich der sichtbare Zeuge einer Entwicklung, die Landwirte seit Jahren beobachten: Der Klimawandel zeigt sich nicht überall gleich. Während einige Regionen noch von günstigeren Bedingungen profitieren, kämpfen andere bereits mit den Folgen längerer Trockenphasen. Das Foto erzählt deshalb weit mehr als nur die Geschichte zweier Maisfelder. Es erzählt die Geschichte eines Landes, das klimatisch immer stärker auseinanderdriftet. Der Norden steht im Saft. Der Südwesten steht unter Stress. Und der Mais? Der macht sichtbar, worüber Wissenschaftler, Landwirte und Meteorologen seit Jahren sprechen. Neueste Schätzungen des Bauernverbandes gehen von einem Rückgang der Ernte um bis zu neun Prozent gegenüber dem Vorjahr aus. Ein Bild. Eine Pflanze. Zwei Welten.

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