Man kann den Kalender danach stellen: Wieder einmal zieht der Öffentliche Anzeiger die Preise an. Bereits im August 2025 wurde das Abo um 2 Euro verteuert, und ab Januar 2026 folgte die nächste Runde – diesmal ein Aufschlag von weiteren 2,60 Euro. Ab Juli wird es nochmals 3 Euro teurer. Geschickt getaktet, fast schon im Gleichschritt mit der Rentenerhöhung. Besonders jene Generation, die noch zuverlässig zur gedruckten Zeitung greift, dürfte dabei eher wenig begeistert sein. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass im Dezember erneut draufgesattelt wird. Die Marke von 60 Euro dürfte inzwischen geknackt sein – ziemlich viel Geld für gefühlt immer weniger Lokaljournalismus. Der Verlag begründet die erneute Erhöhung mit deutlich gestiegenen Kosten in mehreren Bereichen, allen voran bei der Zustellung, die durch gesetzliche Vorgaben wie den Mindestlohn teurer geworden sei. Faire Bezahlung der Zustellerinnen und Zusteller sei wichtig, heißt es – die Mehrkosten könne man jedoch nicht länger allein tragen. Auch Papier-, Produktions- und Personalkosten würden die Preisentwicklung zusätzlich belasten.
Aus Sicht des Hauses sei die Anpassung notwendig, um Qualität, Verlässlichkeit und Vielfalt des Angebots dauerhaft zu sichern. Stets läuft dabei die gleiche Kassette: steigende Kosten, schwierige Rahmenbedingungen und die Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Lesern. Auffällig ist jedoch der Zeitpunkt: Pünktlich zur Urlaubszeit präsentiert der Verlag seinen Abonnenten dieses sommerliche „Geschenk“ – traditionell dezent verpackt in einer Randspalte auf der letzten Lokalseite, dort, wo es möglichst unauffällig bleibt und schnell übersehen wird. Für viele wirkt diese Kommunikationsstrategie inzwischen wie ein Ritual: Preissteigerungen zweimal im Jahr. Dann doch lieber Malle – das ist nur einmal jährlich. Wer informiert sein will und seine Zeitung beim Frühstück lesen will, der muss halt Preisaufschläge tolerieren. Während digitale Abos vom Preisanstieg ausgenommen bleiben und das E-Paper weiterhin 37 Euro im Monat kostet, trifft es die treuen Print-Leser wie immer am härtesten.




