Große Worte, wenig Fortschritt: Warum die AöR im Kirner Land weiter auf sich warten lässt

Dauerthema ohne wirkliche Fortschritte! Seit inzwischen rund zwei Jahren wird im Kirner Land über die Gründung einer Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) gesprochen, die als zentrales Instrument für die Entwicklung und Ansiedlung erneuerbarer Energien dienen soll. Die Vorteile liegen dabei seit Langem auf dem Tisch: Eine AöR würde es der Verbandsgemeinde ermöglichen, Projekte im Bereich Wind- und Solarenergie, Speicherlösungen oder Wärmenetze strategisch, wirtschaftlich und zugleich gemeinwohlorientiert zu steuern. Wertschöpfung und Entscheidungshoheit blieben in kommunaler Hand, Einnahmen könnten direkt der Region zugutekommen, und zugleich ließe sich flexibler agieren als mit klassischen Verwaltungsstrukturen. Gerade in Zeiten steigender Energiepreise und wachsender Anforderungen an den Klimaschutz gilt die AöR vielen Kommunen als bewährtes Modell, um aktiv zu gestalten statt nur zu reagieren. Umso erstaunlicher ist, dass die Diskussion immer wieder auf die Frage verengt wird, wer eine solche AöR „finanziell füttern“ müsse.

Die von SPD-Fraktionssprecher Michael Schmidt vertretene These, eine AöR werde letztlich nur von den Ortsgemeinden getragen, die bereits Photovoltaikflächen anbieten können, greift dabei deutlich zu kurz. Sie verkennt Wesen und Zweck einer AöR. Diese ist kein reines Verwaltungsvehikel für bestehende Anlagen, sondern ein Entwicklungsinstrument, das neue Projekte ermöglicht, Beteiligungen eingehen, Kooperationen schließen und Fördermittel akquirieren kann. Einnahmen entstehen nicht nur aus vorhandenen PV-Flächen, sondern auch aus neuen Wind- und Solarprojekten, aus strategischen Partnerschaften, aus Pachtmodellen, Betriebsführungen und langfristigen Investitionen. Gemeinden ohne bestehende Anlagen profitieren ebenso – durch spätere Projekte, regionale Wertschöpfung, Infrastrukturaufbau und Rückflüsse in den kommunalen Haushalt.

Gerade deshalb wäre eine offene und vertiefte politische Auseinandersetzung über Struktur, Finanzierung und Zielsetzung der AöR dringend geboten. Umso bedauerlicher war es, dass eine Diskussion zwischen Cornelia Dhonau-Wehner und Michael Schmidt, die erkennbar im Begriff war, an inhaltlicher Tiefe zu gewinnen, von Bürgermeister Thomas Jung unterbrochen und frühzeitig abgewürgt wurde. Eine solche Intervention mag der Sitzungsdisziplin dienen – sie verhindert jedoch genau jene sachliche Klärung, die für ein Projekt dieser Tragweite notwendig wäre. Schade auch, dass das Thema Gesamtkonzept nicht vertieft wurde. Das soll ja im ersten Quartal vom Kreis vorgestellt werden. Man darf gespannt sein, ob man sich an diese Zusage wird halten können. Man weiß schließlich um die Langsamkeit.

Trotz der vielfach betonten Chancen ist die AöR im Kirner Land bislang nicht Realität geworden. Beschlüsse, Konzepte und Ankündigungen wechselten sich ab, konkrete Ergebnisse blieben aus. Nun hat Bürgermeister Thomas Jung erneut einen Zeitrahmen genannt: Die Konstituierung der AöR solle im ersten Halbjahr 2026 erfolgen. Damit verbindet sich die Hoffnung, dass aus langjährigen Diskussionen endlich verbindliche Strukturen entstehen, die Planungssicherheit schaffen – für die Kommunen ebenso wie für mögliche Partner und Investoren. Ob dieses Versprechen diesmal eingelöst wird, bleibt abzuwarten. In der Vergangenheit wurden ähnliche Ankündigungen bereits mehrfach gemacht, ohne dass es zur tatsächlichen Gründung kam. Die Vorteile einer AöR für das Kirner Land sind unbestritten und seit Jahren bekannt. Entscheidend wird nun sein, ob den Worten endlich Taten folgen – oder ob die AöR weiterhin ein Projekt bleibt, über das viel gesprochen wird, das aber auf sich warten lässt.

One thought on “Große Worte, wenig Fortschritt: Warum die AöR im Kirner Land weiter auf sich warten lässt

  1. Danke für die fundierte und sachliche Darstellung.
    Fomal ist die AöR gemäß ihrer Satzung gegründet. Was fehlt, ist die konstituierende Sitzung, die Festlegung des Aufsichtsrats und die Érnennung eines Vorstandes. Zusätzliche Mitarbeiter wären auch hilfreich ……..
    Wenn die im Sommer 2025 mit der Kreisplanung vereinbarte Potentialanalyse, die im Dezember 2025 nicht vorgestellt wurde, jetzt endlich zeitnah präsentiert wird, wäre dies die Grundlage für ein Gesamtkonzept in der VG Kirner Land.
    Ein Thema, dass schon lange, zu lange offen ist. Das die AöR gemäß ihrer Satzung zu erstellen hat.
    Hoffen wir , dass die konstituierende Sitzung nicht weiter verschleppt wird. Und die VG Kirner Land mit ihrer AöR „Erneuerbare Energien“ ins Handeln kommt: Zum Vorteil der Bürger und Gemeinden.

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