Kirn erlebte am 1. September eine Zäsur. Das Krankenhaus am Rande der Stadt soll künftig nicht mehr in seiner bisherigen Form bestehen, sondern zu einer Regioklinik umgewandelt werden. Politik und Verantwortliche vermitteln dazu vor allem eine Botschaft: Alles wird gut. Doch viele Menschen in Kirn und Umgebung sind skeptisch. Über Jahrzehnte war das Kirner Krankenhaus eine zentrale Anlaufstelle für die Region. In den vergangenen Jahren wurden jedoch Stationen geschlossen, Angebote reduziert und Strukturen zurückgefahren. Nun soll unter dem neuen Begriff „Regioklinik“ angeblich alles besser werden. Und die Erde ist eine Scheibe. Die Reaktion der Bevölkerung zeigt, wie groß die Verunsicherung ist. Wo werden Patienten mit akuten Erkrankungen künftig behandelt? Welche stationären Angebote bleiben? Welche Fachabteilungen verschwinden? Wie weit müssen Menschen künftig fahren? Und wie sicher ist die medizinische Versorgung in der Region?
Umso auffälliger ist, dass aus der Politik bislang kaum Reaktionen zu hören sind. Keine deutliche Stellungnahme, keine Einordnung, keine konkreten Antworten. Die Mainzer SPD-Riege um Denis Alt und Markus Stein hält sich zurück. Auch von Landrätin Bettina Dickes ist bislang nichts zu vernehmen. Dabei wäre gerade jetzt politische Klarheit gefragt. Das wirkt umso befremdlicher, weil Dickes und ihre politischen Mitstreiter sonst bei nahezu jeder Gelegenheit öffentlich präsent sind – mit Fotos, Selfies und gut gelaunten Bildchen. Doch wenn es um die Zukunft des Kirner Krankenhauses und damit um ein Thema geht, das die Menschen unmittelbar betrifft, ist plötzlich Zurückhaltung angesagt. Kein kritisches Wort, keine sichtbare Betroffenheit, kein betrübtes Gesicht – und vor allem keine Antworten.
Besonders die Diakonie steht in der Verantwortung. Welche Leistungen bleiben? Wie viele Betten wird es geben? Welche Operationen sind weiterhin möglich? Wie sieht die Notfallversorgung aus? Und wie viele Arbeitsplätze bleiben erhalten? Denn eines ist kaum vorstellbar: dass die Diakonie von dieser Entwicklung überrascht wurde. Die Umwandlung kommt nicht aus dem Nichts. Man dürfte in Bad Kreuznach ziemlich genau wissen, wohin die Reise geht. Vermutlich gibt es längst konkrete Vorstellungen für Kirn – vielleicht liegt der Plan nur noch in der Schublade. Dann wird es Zeit, diese Schublade zu öffnen. Kirn braucht keine neuen Schlagworte, sondern konkrete Antworten. Die Menschen haben ein Recht darauf zu wissen, was aus ihrem Krankenhaus wird.




