Mit allem rechnen – aber nicht mit einem Siloballen

Wer nachts mit dem Auto über eine Landstraße fährt, sollte auf einiges gefasst sein. Rehe können plötzlich vor dem Wagen stehen, Wildschweine haben bekanntlich ebenfalls ihre ganz eigenen Vorstellungen von Straßenverkehr. Selbst ein Fuchs, der meint, die K5 sei der perfekte Ort für einen nächtlichen Spaziergang, gehört irgendwie noch zum erwartbaren Risiko. Aber ein Siloballen? Gemäß Polizeibericht lag der am frühen Samstagmorgen gegen 3.44 Uhr kurz vor Hennweiler mitten auf der Fahrbahn. Einfach so. Ein ziemlich stattliches landwirtschaftliches Hindernis, vermutlich sauber in Folie verpackt und offenbar mit dem festen Vorsatz, für Autofahrer möglichst unsichtbar zu bleiben. Eine Verkehrsteilnehmerin hatte keine Chance mehr auszuweichen und krachte hinein. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Der Pkw und der Siloballen sahen die Sache allerdings etwas weniger entspannt.

Nun stellt sich die durchaus spannende Frage: Wie kommt ein Siloballen mitten in der Nacht auf die K5? Von alleine wird er dort vermutlich nicht hingekommen sein. Auch wenn man landwirtschaftlichen Erzeugnissen inzwischen einiges zutraut. Wahrscheinlicher ist: Jemand war mit dem guten Stück unterwegs. Und irgendwann war es das offenbar nicht mehr – zumindest nicht mehr auf dem Anhänger. Damit stellt sich die nächste Frage: Wie kann man einen tonnenschweren oder zumindest mehrere hundert Kilogramm schweren Ballen verlieren, ohne es zu bemerken? Ein einzelner Ballen auf einem kleinen Hänger wäre dabei fast schon zu einfach gedacht. Wahrscheinlicher dürfte sein, dass mehrere Ballen geladen waren. Einer davon verabschiedete sich offenbar auf eigene Faust – und der Fahrer fuhr weiter.

Was dann immerhin für eine gewisse Konsequenz spricht: Wenn man schon mitten in der Nacht unterwegs ist, sollte man seine Ladung zumindest so sichern, dass sie auch am Zielort noch vollständig vorhanden ist. Denn Ladungssicherung ist keine Nebensache. Ein Siloballen ist schließlich kein leerer Karton, der bei Gegenwind vom Anhänger segelt. Gerät so ein Brocken auf die Fahrbahn, wird aus landwirtschaftlichem Transportgut sehr schnell ein lebensgefährliches Verkehrshindernis. Vielleicht wurde der Ballen aber auch von irgendwelchen Idioten auf die Fahrbahn gerollt. Falls das tatsächlich so war, müssten daran wohl mehrere Personen beteiligt gewesen sein. Dann stünde sogar der Verdacht eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr im Raum. Alles Spekulation. Die Polizei Kirn sucht deshalb Zeugen. Und vielleicht ist die Sache tatsächlich einfacher aufzuklären, als es zunächst scheint.