Das Kirner Krankenhaus war heute Thema im Deutschlandfunk. In einem 5-Minutenbeitrag kamen Vertreter der Bi sowie auch Gesundheitsminister Clemens Hoch zu Wort. Letzterer sagte die Regioklinik solle für die Menschen vor Ort ein Anlaufpunkt sein. Gleichzeitig erklärt er, komplexe Eingriffe wie Krebsbehandlungen oder künstliche Hüft- und Kniegelenke sollten künftig in zentralen Kliniken von Ärzten durchgeführt werden, die solche Operationen besonders häufig vornehmen. Das klingt zunächst nach Qualitätssicherung. Für Kirn lohnt sich allerdings ein genauerer Blick auf das, was diese Aussage konkret bedeutet. Denn was bedeutet sie für die dortige Orthopädie und Unfallchirurgie? Wenn Hüft- und Knieoperationen künftig vor allem an Standorten durchgeführt werden sollen, an denen solche Eingriffe in großer Zahl stattfinden, entsteht zwangsläufig der Eindruck: Kirn macht davon zu wenige – also sollen diese Leistungen dort künftig verschwinden.
Nur passt dieser Schluss nicht ohne Weiteres zu der medizinischen Expertise, die am Standort vorhanden ist. Rudolf Benz ist ein ausgewiesener Spezialist für Endoprothetik. Die Stiftung Kreuznacher Diakonie bezeichnete ihn bei seiner Berufung nach Kirn als sehr erfahrenen Unfallchirurgen mit besonderer Expertise in der Primär- und Wechselendoprothetik großer Gelenke. Vor seinem Wechsel nach Kirn war Benz für das zertifizierte EndoProthetikZentrum in Simmern verantwortlich. Auch das Kirner Krankenhaus führt den künstlichen Gelenkersatz sowie Wechseloperationen an Knie und Hüfte als Leistungen seiner Orthopädie und Unfallchirurgie auf.
Und trotzdem droht genau dieses Leistungsangebot in Kirn wegzufallen. In der derzeit vorgesehenen Leistungsgruppenzuweisung sind die entsprechenden Endoprothetik-Gruppen für Kirn nicht enthalten. Da darf man durchaus fragen: Was zählt am Ende mehr – die vorhandene Expertise eines ausgewiesenen Spezialisten oder die Zahl der Operationen, die an einem Standort durchgeführt werden? Natürlich ist Spezialisierung medizinisch sinnvoll. Nicht jede Klinik muss jede noch so komplexe Operation anbieten. Aber aus dem Grundsatz, komplexe Eingriffe dorthin zu verlagern, wo sie besonders häufig durchgeführt werden, darf nicht stillschweigend die Botschaft werden: Was in Kirn nicht in großer Zahl gemacht wird, kann weg. Denn dann stellt sich die nächste Frage: Was bleibt von der angekündigten Regioklinik als medizinischem Anlaufpunkt vor Ort übrig, wenn gerade jene Leistungen verschwinden, für die am Standort nachweislich besondere Expertise vorhanden ist?




