Das Bürgerbüro, das für viel Geld neu gestaltet wird und am Ende keiner mehr braucht

Nach Jahren der Absichtserklärungen ist es nun tatsächlich so weit: Das Bürgerbüro der Verbandsgemeinde Kirner Land wird gerade umgebaut und für die Zukunft fit gemacht. Ein Satz, der zunächst einmal beruhigend klingt. Schließlich kann man nie früh genug damit anfangen, sich auf die Zukunft vorzubereiten. Nur stellt sich bei näherer Betrachtung eine kleine Frage: Welche Zukunft eigentlich? Denn während in Kirn Wände eingerissen, Räume neu gestaltet und vermutlich Steckdosen an Stellen gesetzt werden, an denen künftig moderne Bürgerbüro-Technik stehen soll, macht die digitale Welt draußen gerade einen gewaltigen Sprung nach vorn. Die Zukunft des Behördengangs könnte nämlich darin bestehen, dass es gar keinen Behördengang mehr gibt. Meldebescheinigung? Online. Antrag? Online. Termin? Online. Unterschrift? Digital.

Und wenn sich irgendwann auch Personalausweis, Führerschein und andere amtliche Dokumente bequem über das Smartphone verwalten lassen – wie gerade angedacht – könnte der Gang zum Bürgerbüro ungefähr so modern wirken wie der Gang zur Telefonzelle. Natürlich ist das Bürgerbüro trotzdem wichtig. Noch. Schließlich gibt es immer Dinge, die sich nicht ganz so einfach digital erledigen lassen. Und es gibt Menschen, die mit dem Smartphone zwar fotografieren, Nachrichten verschicken und den Wetterbericht abrufen können, aber beim Online-Formular bereits an der ersten Sicherheitsabfrage verzweifeln. Doch der Trend ist eindeutig: Die Verwaltung soll digitaler werden. Der Bürger soll nicht mehr zur Verwaltung kommen müssen, sondern die Verwaltung soll gewissermaßen in die Hosentasche wandern. Und genau hier bekommt der Umbau des Bürgerbüros eine gewisse Ironie. Da wird nach Jahren des Stillstandes ein Gebäude aufwendig und teuer für die Zukunft hergerichtet – während die Zukunft möglicherweise gerade dabei ist, dieses Gebäude überflüssig zu machen.

Man stelle sich das Jahr 2030 vor: Das neue Bürgerbüro ist fertig, modern, freundlich, hell und technisch auf dem neuesten Stand. Die Mitarbeiter sind bestens vorbereitet. Die Schalter sind besetzt. Die Computer laufen. Alles ist startklar. Nur: Es kommt keiner. Nicht, weil die Bürger unzufrieden wären. Im Gegenteil. Sie sind bestens versorgt. Sie sitzen zu Hause auf dem Sofa und erledigen ihren Behördengang mit dem Handy. „Wo bist du?“ – „Im Bürgerbüro.“ – „Wie?“ – „Auf dem Sofa.“ Vielleicht ist das die eigentliche Pointe der Digitalisierung: Man baut ein Bürgerbüro, damit die Bürger künftig nicht mehr dorthin müssen. Das klingt zunächst paradox. Ist es aber vielleicht gar nicht. Ein Bürgerbüro der Zukunft könnte tatsächlich sehr klein sein. Ein paar Arbeitsplätze für die Fälle, die sich eben nicht digital lösen lassen. Ein bisschen Beratung.

Hilfe für diejenigen, die Unterstützung brauchen. Und ansonsten: viel digitale Verwaltung und wenig Publikumsverkehr. Der Umbau wäre dann nicht vergeblich. Er wäre nur ein besonders schönes Beispiel für die Geschwindigkeit, mit der die Zukunft manchmal an einem vorbeizieht. Vielleicht wird das neue Bürgerbüro also eines Tages vor allem eines sein: ein sehr modernes Gebäude, in dem sich niemand mehr aufhalten muss. Und wenn das kein Fortschritt ist, dann weiß ich auch nicht. Wobei man sicherheitshalber noch einen Termin vereinbaren sollte. Online, versteht sich.