Die Zukunft der Kirner Schulen soll am 24. September am Runden Tisch mit den Verantwortlichen vor Ort besprochen werden. Ein schönes demokratisches Format: Alle dürfen an einem Tisch Platz nehmen – nur die Richtung scheint bereits festzustehen. Wie der Öffentliche Anzeiger berichtet, hat Landrätin Bettina Dickes im Schulträger- und Bauausschuss erneut deutlich gemacht, wie sie sich die Zukunft des Schulstandortes Kirn vorstellt. Das Gymnasium soll erhalten bleiben. Die beiden Realschulen plus auf Halmen und auf Kyrau sollen nach ihrer Vorstellung perspektivisch zusammengelegt werden. Alternativ wäre eine IGS denkbar. Beim Gymnasium gibt es dabei nach den Worten der Landrätin wenig zu diskutieren: Der bauliche Zustand sei dringend sanierungsbedürftig (Foto). „Die Schule ist in einem Zustand, die braucht es dringend“, so Dickes.
Ein kleiner, aber nicht ganz unwichtiger Hinweis am Rande: Auch die Realschule plus auf Halmen wartet nicht gerade auf den Architekturpreis für vorbildliche Gebäudesubstanz. Auch dort besteht ein erheblicher Unterhaltungs- und Sanierungsbedarf. Wenn also mit der Gebäudesubstanz des Gymnasiums argumentiert wird, sollte fairerweise nicht der Eindruck entstehen, nur dort bestehe dringender Handlungsbedarf. Doch bevor der erste Sanierungsbagger anrollt, soll geklärt werden, wie die Schulstruktur in Kirn künftig aussieht. Schließlich macht es einen Unterschied, ob am Ende zwei Schulen untergebracht werden müssen, eine gemeinsame Realschule plus entsteht oder eine IGS den gesamten weiterführenden Schulbereich übernimmt.
Und genau hier wird es interessant. Denn am 24. September soll am Runden Tisch gemeinsam über die Zukunft gesprochen werden. Die Richtung, in die die Landrätin denkt, hat sie allerdings bereits mehrfach öffentlich beschrieben. Das erinnert ein wenig an ein Navigationsgerät, das zur gemeinsamen Routenplanung einlädt – nachdem es das Ziel bereits eingegeben hat. Die beiden Realschulen plus zusammenlegen, das Gymnasium erhalten: So sieht die von Dickes favorisierte Lösung aus. Die Frage ist deshalb weniger, ob es eine Richtung gibt, sondern wie viel Raum am Runden Tisch tatsächlich noch für andere Richtungen bleibt. Gerade die Realschule plus auf Halmen hat bereits darauf hingewiesen, dass sich die beiden Schulen auch pädagogisch unterscheiden. Die räumliche Trennung ist aus Sicht der Verantwortlichen nicht ohne Grund entstanden. Diese Argumente dürften am 24. September also ebenso auf den Tisch gehören wie die demografischen Prognosen und die finanziellen Überlegungen des Kreises.
Allerdings hat der politische Prozess inzwischen eine gewisse Dynamik entwickelt: Je häufiger eine mögliche Lösung öffentlich als bevorzugtes Modell genannt wird, desto schwieriger wird es, anschließend noch glaubhaft von einem völlig offenen Verfahren zu sprechen. Der Runde Tisch könnte damit zur interessanten Frage führen, wie offen ein Gespräch eigentlich noch ist, wenn die wichtigste Gesprächspartnerin ihre Wunschlösung bereits mehrfach öffentlich auf den Tisch gelegt hat. Oder, etwas zugespitzter: Sind die Beteiligten am 24. September eingeladen, die Zukunft der Kirner Schulen gemeinsam zu gestalten – oder dürfen sie nur noch darüber beraten, wie die bereits eingeschlagene Richtung am besten umgesetzt wird? Dabei wäre gerade für Kirn eine echte Diskussion notwendig.
Es geht nicht nur um Gebäude und Schülerzahlen, sondern um pädagogische Konzepte, gewachsene Schulstandorte und die Frage, welche Schulstruktur langfristig für die Stadt und die Region sinnvoll ist. Auch die geplante Generalsanierung des Gymnasiums hängt daran. Ob Mensa, Mehrzweckräume oder andere Einrichtungen künftig gemeinsam genutzt werden können, lässt sich erst entscheiden, wenn die Schulstruktur geklärt ist. Im kommenden Kreistag soll auf Antrag der SPD-Fraktion zudem eine Arbeitsgruppe Schulentwicklungsplanung eingerichtet werden. Diese soll sich auch mit möglichen Veränderungen der Schulstruktur beschäftigen. Bis dahin bleibt für den 24. September vor allem eine Frage offen: Wie viel Runder Tisch ist noch übrig, wenn die Tischplatte politisch bereits gedeckt ist?




