Kirner Schullandschaft: Thomas Bursian fordert Dialog statt Alleingang

Die Diskussion um die Zukunft der Kirner Schullandschaft nimmt an Fahrt auf. Dabei geht es längst nicht mehr nur um unterschiedliche Vorstellungen zur Schulstruktur, sondern auch um die Frage, wie politische Entscheidungen vorbereitet, kommuniziert und gemeinsam mit den Betroffenen entwickelt werden. Der folgende offene Brief von Thomas Bursian, Fraktionsvorsitzender der FDP im Kreistag des Landkreises Bad Kreuznach, an Landrätin Bettina Dickes, richtet den Blick deshalb nicht allein auf die möglichen Modelle für die Kirner Schulen. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Forderung nach einem offenen, transparenten und ergebnisoffenen Dialog mit Schulleitungen, Lehrkräften, Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie den kommunalen Gremien. Bursian kritisiert insbesondere den Eindruck, dass die Diskussion bereits frühzeitig auf die beiden Möglichkeiten einer Fusion oder einer IGS verengt worden sei. Er stellt dabei auch die grundsätzliche Frage, ob die Betroffenen bei einer solch weitreichenden Entscheidung tatsächlich ausreichend gehört werden.

Offener Brief

„Sehr geehrte Frau Dickes, ich bin irritiert darüber, weil ich Ihren  Kommunikationsstil bei der Durchsetzung Ihrer Vorstellungen zur zukünftigen Kirner Schullandschaft  wählen, unglücklich finde. Bereits im Schulträgerausschuss des Kreistages am 13. August wurde die Idee einer grundlegenden Veränderung der Kirner Schullandschaft in den Raum gestellt – ohne zuvor die Schulleitungen, Kollegien, Schülerinnen und Schüler, aber auch die kommunalen Räte angemessen einzubeziehen. Besonders irritierend war, dass die dort geäußerten Bedenken kaum Gehör fanden und die Überlegungen bereits am folgenden Tag in der Öffentlichkeit nahezu als unumstößliche Tatsache dargestellt wurden. Inzwischen hat sich die Situation deutlich verändert. Die Schulgemeinschaften haben ihre Bedenken und Argumente breit, sachlich und differenziert an das Kreishaus herangetragen. Am 24. September gibt es ein gemeinsames Gespräch der Ratsfraktionen von Stadt und Verbandsgemeinde mit den Schulleitungen der Realschule plus auf Halmen als kooperativer Realschule und der integrativen Realschule plus auf Kyrau  im Gesllschaftshaus.

Für die Kreistagssitzung am 21. September liegt zudem ein Antrag der SPD zur Einrichtung einer Arbeitsgemeinschaft Schulentwicklungsplanung vor. Vor diesem Hintergrund ist es für viele im Kirner Land kaum nachvollziehbar, dass Sie in der jüngsten Sitzung erneut den Eindruck vermittelt haben, für die Zukunft gebe es im Wesentlichen nur zwei Möglichkeiten: Fusion oder eine wie auch immer ausgestaltete IGS. Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Wo bleiben bei diesen Überlegungen die Schülerinnen und Schüler, die Lehrerinnen und Lehrer, die Eltern, die kommunalen Gremien – und nicht zuletzt der Kreistag? Schulentwicklung ist keine Verwaltungsentscheidung am grünen Tisch. Sie betrifft Menschen, ihre Arbeitsplätze, die Bildungswege unserer Kinder und damit die Zukunft einer ganzen Region. Deshalb muss eine solche Diskussion ergebnisoffen, transparent und gemeinsam mit den Betroffenen geführt werden.

Bemerkenswert ist dabei, dass Sie genau diese Form des politischen Umgangs vor rund 17 Jahren als CDU-Oppositionspolitikerin im Landtag selbst eingefordert haben. Hat sich daran zwischenzeitlich etwas geändert? Gerade in einer Zeit, in der viele Bürgerinnen und Bürger ohnehin verunsichert sind und sich von politischen Entscheidungen zunehmend vor den Kopf gestoßen fühlen, ist es nicht hilfreich, wenn der Eindruck entsteht, wesentliche Entscheidungen seien bereits getroffen, bevor die eigentliche Diskussion begonnen hat. Es geht nicht darum, Veränderungen zu verhindern. Es geht darum, sie gemeinsam zu entwickeln – und nicht den Eindruck zu erwecken, das Ergebnis stehe bereits fest. Wir erwarten deshalb, dass die weitere Diskussion im Kreistag und mit den Schulen tatsächlich offen  und fair  geführt wi Dazu gehört auch, andere denkbare Lösungen ernsthaft zu prüfen, statt die Diskussion frühzeitig auf zwei vermeintliche Alternativen zu reduzieren. Die Kirner Schullandschaft ist zu wichtig für politische  Alleingänge. Sie verdient einen offenen Dialog, eine sorgfältige Abwägung und vor allem eines: dass die Menschen, die unmittelbar betroffen sind, gehört werden.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Bursian
Fraktionsvorsitzender
FDP-Fraktion im Kreistag des Landkreises Bad Kreuznach